Der drohende Staatsbankrott Russland macht Zypern-Hilfe von der EU abhänigig

Zypern hofft auf Russlands Hilfe, um einen Ausweg aus dem Staatsbankrott zu finden. Doch Moskau hält sich zurück - und will das Vorgehen der EU abhängig machen.
Update: 21.03.2013 - 09:29 Uhr 6 Kommentare

Welchen Preis zahlt Zypern für Russlands Hilfe?

MoskauRussland will seine Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Zypern vom weiteren Vorgehen der Europäischen Union abhängig machen. Zypern habe Russland mehrere Vermögenswerte zum Kauf angeboten, sagte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Zuerst aber müsse die EU neue Pläne zur Lösung der Krise in ihrem Mitgliedsland vorstellen. „Danach werden wir unsere Vorschläge machen“, sagte Medwedew der Agentur Interfax sowie weiteren Medien.

„Wir sind bereit, verschiedene Varianten auszuloten“, antwortete der frühere Kremlchef auf die Frage, ob Russland sich auch für eine Militärbasis auf der Insel im Mittelmeer interessiere. Indirekt bestätigte Medwedew zudem, dass es bei den Gesprächen um mögliche Lizenzen bei der Gasförderung vor der zyprischen Küste gehe. In Moskau hatte der zyprische Finanzminister Michalis Sarris am Mittwoch erste Gespräche mit russischen Regierungsmitgliedern geführt.

Die Zypern-Krise sei auch Thema von Gesprächen einer großen EU-Delegation unter Leitung von Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstag, sagte Medwedew. Zum ersten Mal kündigte der Ministerpräsident an, dass Russland angesichts der Lage in der EU den Euro-Anteil an seinen immensen Währungsreserven überdenken könne. Bisher hält das Riesenreich etwa 40 Prozent seiner Reserven in Euro.

Von der andauernden Schließung der Banken auf Zypern sei eine „groß Zahl russische staatlicher Strukturen“ betroffen, kritisierte Medwedew. Russland wickele einen Teil seiner Geschäfte wegen der „bequemen rechtlichen Grundlagen“ über Zypern ab, erklärte er. Zu rechnen sei nun mit einer Klagewelle gegen das Einfrieren der Bankgeschäfte auf Zypern.

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  • dpa
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6 Kommentare zu "Der drohende Staatsbankrott: Russland macht Zypern-Hilfe von der EU abhänigig"

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  • Ich bin immer wieder begeistert über die Formulierungskünste der Russen!

    Weshalb?
    Wir werden es bald wissen, weshalb!

    Ich erwarte, dass Zypern sich aus dem Euro, der EU heute mit Parlamentsbeschluss verabschiedet und sich Russland zuwendet. Russland saniert Zypern und findet einen noch größeren Freund im Inselstaat - noch größer als zuvor.

    Die EU plamiert sich aufgrund ihres unerfahren, kindischen Krisenmanagements. Schäuble und Merkel sind die Strippenzieher, die blamierten!

    Hatten Schäuble und Merkel Unrecht?
    Im Grunde nicht. Aber ihr dilettantisches Krisenmanagement hat sie zu Tätern werden lassen. Täter, weil sie in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates versucht haben einzugreifen. Täter, weil sie dementiert haben, was jeder an der Handschrift der "Pläne" erkennen konnte. Täter, weil sie das Volk belogen haben.

    Sie sind die Verlierer, weil sie etwas unprofessionell angezettelt haben, was Zypern aus der europäischen Union in die Hände Russlands treibt. Ich erwarte, dass das us-amerikanische Verteidigungsministerium hinter den Kulissen die beiden Herrschaften aufklärt und sie jetzt in aller höchster Not aus dem Amt treibt.

    Was ich an den russischen Formulierungen so bewundere, ist die einfache Sprache, die nichts sagt, alles ausdrückt und strategisch einen ungeheuren "Raumgewinn" manifestiert.

    M.E. sind die gegenseitigen Demütigungen soweit fortgeschritten, dass keine Seite ohne Gesichtsverlust zurück kann.

    Bemerkenswert erscheint mir das Verhalten aus Brüssel. Die dortigen Beamten scheinen schon in den Osterferien zu sein und haben die Ohrenschützer schon vor die Augen gezogen.

    Positiv wird der Vorgang insoweit, dass nichts mehr unter den Teppich passt. Es werden reihum Köpfe Rollen. Die Bürger werden politisch engagierter und werden die hiesigen Politiker, abgerauscht die Gremien der EU und die Akteure in Brüssel mächtig die Keviten lesen. Es fehlt lediglich noch einer, der sich zum Anwalt des Volkes erklärt.

  • Das Makabere ist, dass das griechische Zypern die Isolation Nord Zyperns aufrecht erhält, um deren finanziellen Ruin herbei zu führen. Es ist gründlich nach hinten los gegangen.
    Medwedew sträubt sich, seine Beziehungen zur Türkei wegen so einer Eselsturheit der Griechen zu belasten. Was er impliziert ist, nimmt den ANNAN Plan an, beendet den bewaffneten Konflikt so können wir zusammen arbeiten.

  • Zum ersten Mal kündigte der Ministerpräsident an, dass Russland angesichts der Lage in der EU den Euro-Anteil an seinen immensen Währungsreserven überdenken könne.

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    Selten so gelacht.
    Was ist denn die Alternative? alles in USD? Oder vielleicht GBP oder JPY? Alles super solide Währungen. CHF ist an den EUR gekoppelt. Reminbi sind nicht frei konvertierbar und er Goldmarkt ist zu eng.

  • Jeder ist von jedem ein Stück weit abhänig. Aber diese Abhänigkeiten sind nicht gleich gewichtet.
    Zypern hat durch eigene Fehler und natürlich auch pol.Gewichtung das schwächste Blatt.
    Die gegenseitigen und verbundenen Interessen Russlands und Deutschlands sind so stark, dass man davon ausgehen kann, Zypern musss seinen Anteil leisten und die Vereinbarungen mittragen, sonst lässt man es pleite gehen, wozu es aber nur dann kommt wenn die Insel sich vollständig querstellt.
    Zypern ist am Zug, es muss liefern. Und es kann liefern, den arm ist diese Land nicht.

  • Dachte ich es mir doch, die EU hat sich das ZURÜCKHALTEN von Russland ecvht was kosten lassen, denn wenn Zypern zum Russen geht, dann steht ganz besonders Deutschland echt blöd da.

    Also dealt man mit dem Russen, denn gerade Russland ist sehr auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Deutschland / EU angewiesen und so gerne die auch auf Zypern den Flottenstützpunkt hätten, am Ende ist Deutschland ihnen dann doch noch wichtiger.

  • Interessant, wie die Zone nun zum Spielball russischer Interessen wird.

    Um das Chaos zu begrenzen und bei den Pokerspielen mitzuhalten brauchen wir nur noch etwas mehr "europäischer Erzählung".

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