Der Einsatz von Tasers: Auch deutsche Fahner testen die Waffe.
Der Elektroschocker

So wie vorgestern sind die Menschen in Bordesley Green nahe Birmingham wohl noch nie aufgewacht. Es ist gegen 4.30 Uhr, als Dutzende maskierte Männer aus einem Transporter auf die Straße stürmen. Sie laufen zu einem Haus in der Heybarnes Road und schlagen ohne Vorwarnung die Eingangstür ein. Wenig später hören Nachbarn Schüsse, ein „orangefarbener Blitz“ schießt durch eines der vorderen Fenster.

HB LONDON.Als die ersten Menschen neugierig aus ihren Häusern kommen, ist der Spuk vorüber. In einem weißen Umhang mit einer Kapuze über dem Kopf wird Yasin Hassan Omar abgeführt. Der 24-jährige soll einer der Bombenattentäter von London sein. Der mutmaßliche Terrorist bewegt sich langsam auf ein wartendes Auto zu, was nur teilweise an seinen Fußfesseln liegt. Er ist geschwächt. Minuten zuvor hat ihn ein Schuss aus einer 50 000-Volt-Taserwaffe getroffen. Die Beamten drückten ab, weil sich Omar der Festnahme widersetzte.

Seit den tödlichen Schüssen in London auf einen unschuldigen Brasilianer und der aktuellen Festnahme in Birmingham wird das Vorgehen der Beamten und der Einsatz ihrer Mittel bei der Fahndung nach Terroristen heiß diskutiert. Vor allem in England stellen sich Experten dieser Tage die Frage, ob Polizisten künftig nicht häufiger mit Taser anstatt mit tödlichen Schusswaffen arbeiten sollten.

Taser sind Waffen, die mit Elektroschocks arbeiten und die Getroffenen in der Regel nur für Sekunden lähmen, aber nicht böse verletzen.

Als Erfinder gilt der Amerikaner Jack Cover, der die E-Pistole schon in den 60er-Jahren entwickelt hatte und sie in Anlehnung an die in den 30er-Jahren populären „Tom-Swift“-Tüftlerromane „TASER“ nannte: Thomas A. Swifts Electronic Rifle.

Heute setzen weltweit 6 500 Polizeidirektionen den Taser M26 und die Weiterentwicklung X26 ein, 5 000 davon in den USA. Aber auch in England ist die Waffe im Einsatz, ebenso in Irland, Frankreich, Finnland, Schweden, der Schweiz und – in Deutschland. Seit die Innenministerkonferenz 2001 die probeweise Einführung für Sondereinsatzkommandos empfahl, haben zehn Bundesländer Taser angeschafft.

Der Elektroschocker verschießt zwei kleine Widerhaken-Pfeile an 6,40 Meter langen Drähten, die unter einer Spannung von 50 000 Volt stehen. Der Strom überlagert die Impulse des zentralen Nervensystems: Der Getroffene verliert für fünf Sekunden die Kontrolle über seinen Körper, geht zu Boden. Zeit genug für die Einsatzkräfte, um ihn gefahrlos zu überwältigen. Die Polizei in den USA preist den Taser als „Defensivwaffe“ für Nahkampfsituationen. Sergeant Randy Force vom Phoenix Police Department, das seit 2002 alle Streifenbeamten mit Tasern ausrüstet, zählt die Waffe „zu den besten Neuerungen seit Jahrzehnten“.

Seite 1:

Der Elektroschocker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%