Der einstmals größte russische Ölkonzern steht vor dem wirtschaftlichen Aus
Steuerrückzahlungen bringen Yukos zu Fall

Parallel zum Prozess gegen Michail Chodorkowskij ist sein einstiges Unternehmen, der Ölkonzern Yukos, inzwischen weitgehend zerschlagen worden. Steuernachforderungen von insgesamt 28 Mrd. Dollar brachten den einstmals führenden russischen Ölgiganten an den Rand des Zusammenbruchs.

HB mbr MOSKAU. „Jeder macht inzwischen weitgehend, was er will. Die Zentrale ist kaum noch zu einer vernünftigen Kontrolle in der Lage“, berichtet ein hochrangiger Mitarbeiter aus dem Yukos-Tower am Pawelezker Bahnhof in Moskau. Von 2 800 Mitarbeitern sind in der Zentrale noch 1 250 geblieben.

Seit der erzwungenen Abspaltung der wichtigsten Fördertochter Yuganskneftegaz (YNG) im Dezember hat Yukos sein Personal reduziert. Der YNG-Zwangsverkauf an den Staatsölkonzern Rosneft führte nach Insiderberichten auch dazu, dass sich die Chefs der Fördereinheiten und Raffinerien von der Konzernzentrale kaum noch in die Karten schauen lassen: „Die Raffinerien stimmen sich inzwischen mit Rosneft ab und nicht mit uns, weil die das Öl liefern und nicht wir.“ Gestern verklagte Yukos das russische Finanzministerium sowie die Staatskonzerne Gazprom und Rosneft wegen des Zwangsverkaufs von Yuganskneftegaz auf Schadensersatz in Höhe von 11,5 Mrd. Euro.

Statt 1,7 Mill. Barrel (je 159 Liter) am Tag pumpt Yukos inzwischen nicht einmal mehr 600 000 Fass aus Sibiriens Böden. Denn neben dem Wegfall von YNG fällt auch der Ausstoß der einstweilen bei der Holding verbliebenen Töchter Samaraneftegaz und Tomskneft. Ansonsten sind dem Konzern bislang noch einige Raffinerien und ein Tankstellennetz verblieben.

Die Standard & Poor’s-Analystin Jelena Anankina rechnet damit, „dass bald weitere Konzernteile verkauft werden“. Die Yukos noch verbliebenen Fördertöchter werden bereits nach dem Vorbild von YNG mit Steuernachforderungen überzogen. Auch ihnen droht die Zwangsversteigerung. An der Raffinerie im litauischen Maziekiu haben bereits die Ölkonzerne Lukoil und TNK-BP Interesse angemeldet.

Effizient gelenkt werden kann das einstige Ölimperium nach 150 Hausdurchsuchungen ohnehin nicht mehr: Zwölf Eigner und Top-Manager sind ins Ausland geflohen, zwölf sitzen in russischen Gefängnissen. Wenn sich das vierköpfige Senior-Management- Team zu Vorstandssitzungen trifft, geschieht dies per Videokonferenz, oder man jettet nach Haifa, London oder Paris. Denn Vorstandschef Steven M. Theede sitzt in der britischen Hauptstadt, Finanzvorstand Bruce Misamore arbeitet von Houston/Texas aus. Wie angespannt die Lage ist, belegt, dass Yukos jüngst eine brisante Personalie an Moskauer Medien lancierte: Man finde keine Kandidaten mehr für den in Kürze zu wählenden Aufsichtsrat.

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