Der EU-Kandidat am Bosporus hat die Inflation erfolgreich bekämpft
Türkei macht die Lira fit für den Beitritt

Schnaufend kommt die Eins daher gewandert. Schwer hat sie zu schleppen an den sechs Nullen in ihrem Gefolge. Doch die steigen plötzlich als Feuerwerksraketen in den Himmel. „Unsere Lira verliert ihre Last“, lautet die Botschaft des Fernsehspots, mit dem die türkische Zentralbank die Bürger auf die bevorstehende Währungsreform einstimmt. Am 1. Januar werden auf den Banknoten sechs Nullen gestrichen. Für einen Euro wird man dann nicht mehr knapp 1,9 Millionen sondern 1,90 Lira bekommen.

ISTANBUL. Der Währungsschnitt signalisiert: Der „kranke Mann am Bosporus“ ist genesen. Die Inflation, die noch in den 90er Jahren mehrmals die 100-Prozent-Marke übersprang, ist gezähmt. Mitte des Jahres fiel sie erstmals seit drei Jahrzehnten unter zehn Prozent. Für das kommende Jahr rechnet die Regierung mit einer Teuerungsrate von acht Prozent, und spätestens 2008 soll Preisstabilität erreicht sein, also eine Inflation von weniger als zwei Prozent.

Rechtzeitig vor der Entscheidung über EU-Beitrittsverhandlungen kann Wirtschaftsminister Ali Babacan Erfolge bei der Inflationsdämpfung vermelden. Und die türkische Konjunktur brummt. Fünf Prozent Wachstum hatte die Regierung im diesjährigen Haushalt angesetzt. Tatsächlich dürften es rund zehn Prozent werden. Im ersten Quartal wuchs das türkische Bruttosozialprodukt (BSP) um 12,4, im zweiten sogar um 14,4 Prozent.

„Die Türkei hat nach langen sorgenvollen Jahren den Weg in eine glänzende Ära gefunden“, lobte jetzt Hugh Bredenkamp, Türkei-Beauftragter des Internationalen Währungsfonds (IWF). Noch im Februar 2001 stand das Land am Rand des Staatsbankrotts. Die damalige Finanzkrise bescherte der Türkei die tiefste Rezession seit 1945. Inzwischen sind die Folgen der Krise gemeistert, vor allem Dank eines IWF- Beistandsprogramms, das Kredite von 18,6 Mrd. Dollar umfasste. Die Auszahlung der Gelder war an strikte Reform-Vorgaben gebunden, wie die Sanierung des maroden Bankensektors, die Deregulierung der Märkte und eine Begrenzung der ausufernden Staatsausgaben. Das Programm gilt als eines der erfolgreichsten in der Geschichte des IWF. „Es hat einen dramatischen Wandel herbeigeführt“, lobt Murat Gülkan, Chefvolkswirt beim Istanbuler Brokerhaus Bender Securities. „Der öffentliche und der private Sektor stehen heute viel besser da als vor der Krise“.

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