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Der ewige Generalsekretär und seine Mini-Uno

Kofi Annan kann's nicht lassen: Heute wird der Ex-Uno-Generalsekretär 70 jahre alt, aber er stiftet weiterhin weltweit Frieden und bekämpft die Armut. Nicht mal die Dienste seines Nachfolgers Ban Ki Moon braucht er dafür. Stattdessen baut er sich in Genf eine Art Mini-Uno auf.

GENF. Kofi Annan hatte es wieder mal vollbracht. Nach langem Palaver reichten sich Regierung und Opposition in Kenia endlich die Hand. Viele Kenianer jubelten dem früheren Uno-Generalsekretär im Februar zu: Annan, der Retter aus Blut und Chaos.

Nach dem Stress als Schlichter wollte Annan die Schönheit Kenias genießen. Er ging zu einer Bank, um US-Dollar in Kenia-Schilling zu wechseln. „Sie haben alles falsch gemacht“, begrüßte die Bankangestellte den Friedenshelden. Wieso? Warum? „Nach dem Deal, den sie vermittelt haben, ist der Schilling gegenüber dem Dollar nach oben geschossen. Jetzt kriegen sie weniger Schilling für Ihre Dollar. Sie hätten früher kommen sollen.“

Kofi Annan hält inne. Er lässt die Anekdote auf seine Zuhörer an der Columbia-Universität in New York wirken. Er weiß, wie man ein Publikum gewinnt. Weihevoll, würdig – und ein bisschen witzig. So spricht ein Friedensnobelpreisträger. Und dann noch eine Prise feiner Selbstironie, das ziert eine Rede.

Kaum ist der Applaus in New York verhallt, ist Annan gedanklich schon beim nächsten Termin. Heute wird der Spross eines Adelsgeschlechts aus Ghana auf seinen 70. Geburtstag anstoßen. Und er ist kein bisschen müde: Auf der globalen Bühne tummelt er sich wie zu seinen besten Zeiten als Uno-Chef. Annan hier, Annan da. In Genf schickt er sich nun sogar an, eine Art Mini-Uno auf die Beine zu stellen. Annan ist auf dem besten Wege, das Urteil des Ex-US-Uno-Botschafters Richard Holbrooke zu bestätigen: „Kofi ist der internationale Rockstar der Diplomatie.“
Dank seiner Starpower gelang es Annan auch, mit Hilfe Schweizer Politiker das „Globale Humanitäre Forum“ zu gründen. Der Kanton Genf ließ dafür die schmucke Villa Rigot herrichten; dort residiert Annan seit 2007 als Präsident des Forums. Die Schweizer Regierung stellte das Startkapital: 1,3 Millionen Schweizer Franken. Auch Deutschland, Luxemburg und Liechtenstein finanzieren das Projekt des Uno-Pensionärs mit. Und auch die Uno lässt sich nicht lumpen: Auf die generöse logistische Hilfe seiner ehemaligen Kollegen kann sich Präsident Annan verlassen – seine Dienstvilla liegt gleich neben der Uno-Zentrale in Genf.

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