Der Fall Akhanli „Sie möchten mich zum Schweigen bringen“

Der Konflikt mit der Türkei eskaliert immer weiter. Die Bundesregierung hat ihren Kurs bereits verschärft – die Kanzlerin schließt weitere Schritte nicht aus. Und auch die EU-Kommission übt scharfe Kritik an der Türkei.
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„Das gefällt der Türkei bestimmt nicht. Sie möchten mich zum Schweigen bringen“, so der Autor. Quelle: dpa
Dogan Akhanli

„Das gefällt der Türkei bestimmt nicht. Sie möchten mich zum Schweigen bringen“, so der Autor.

(Foto: dpa)

Berlin/BrüsselDer Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli sieht seine kritische Auseinandersetzung mit der Türkei als Ursache für seine von Ankara betriebene vorübergehende Festnahme. Er habe kritisch über die türkische Politik und Geschichte geschrieben, sagte der ursprünglich aus der Türkei stammende Autor der ARD in Spanien. „Das gefällt der Türkei bestimmt nicht. Sie möchten mich zum Schweigen bringen.“ Beugen will sich der 60-Jährige aber nicht: „Ab 60 will ich auch nicht mehr schweigen“, sagte der geradezu fröhlich wirkende Autor.

Akhanli, der ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft hat, war am Samstag im Spanien-Urlaub festgenommen, nach einem Tag aber wieder freigelassen worden. Er darf das Land für die Dauer des Auslieferungsverfahrens nicht verlassen. Der Fall hat den ohnehin zugespitzten Konflikt zwischen der Bundesregierung und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan noch einmal angeheizt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schließt eine nochmalige Verschärfung der deutschen Linie nicht aus. „Wir müssen uns immer wieder die Schritte vorbehalten“, sagte sie am Sonntagabend in Sender RTL auf eine Frage nach härteren Sanktionen. Zugleich sagte sie: „Wir haben jetzt schon sehr hart reagiert.“

Vor einem Monat hatte die Bundesregierung ihren moderaten Kurs gegenüber Erdogan aufgegeben. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ die Reisehinweise verschärfen und warnte deutsche Unternehmen vor Investitionen. „Ich glaube, dass wir auf eine längere Strecke diese neue Politik fortführen müssen und nicht glauben dürfen, in ein paar Wochen ist das erledigt“, sagte Gabriel in einem am Wochenende veröffentlichten Interview der Deutschen Presse-Agentur, das noch vor der erneuten Eskalation geführt wurde.

Merkel sagte mit Blick auf Akhanli, der wegen eines von Ankara durchgesetzten Interpol-Festnahmegesuchs festgehalten wurde: „Ich bin sehr froh, dass Spanien ihn jetzt erstmal wieder freigelassen hat. Das geht nicht, wir dürfen auch die internationalen Organisationen wie Interpol nicht für so etwas missbrauchen.“ Und mit Blick auf Erdogan: „Es ist leider einer von vielen Fälle, deshalb haben wir auch unsere Türkeipolitik massiv verändert und müssen diesen Konflikt auch austragen. Genauso, wie es völlig unmöglich ist, dass der türkische Staatspräsident deutsche Staatsbürger, und seien sie auch türkischer Abstammung, auffordert, nicht zur Wahl zu gehen.“

„Erdogan schadet seinem eigenen Volk mit seinen wöchentlichen Grenzüberschreitungen“

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Erdogans Wahleinmischung hatte Gabriel als „einmaligen Eingriff in die Souveränität unseres Landes“ kritisiert. Daraufhin schimpfte Erdogan am Wochenende vor Anhängern in Istanbul: „Wer bist du denn, um den türkischen Präsidenten anzusprechen? Erkenne deine Grenzen!“

Grünen-Chef Cem Özdemir empfahl, solche persönlichen Attacken zu ignorieren. „Sich mit Erdogan auf seinem Niveau anzulegen, hat keinen Sinn, da bräuchte es einen Psychologen“, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“ (Montag). „Wir müssen stärker die Sprache der Wirtschaft und des Geldes sprechen.“ Daher sollten vorerst für Investitionen in der Türkei staatliche Hermes-Bürgschaften verweigert werden.

Seien Parteikollegin Katrin Göring-Eckardt forderte die EU-Länder auf zusammenzuhalten. „Die polizeiliche Zusammenarbeit mit der Türkei gehört auf den Prüfstand“, sagte die Bundestagsfraktionschefin der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) weiter. „Es kann nicht sein, dass Gegner des türkischen Regimes in Europa ungeprüft als Kriminelle verhaftet werden.“

Hintergrund des türkischen Festnahmegesuchs gegen den Kölner Autor ist nach Angaben seines Anwalts der Vorwurf, Akhanli sei 1989 an einem Raubmord in Istanbul beteiligt gewesen - ein Vorwurf, von dem er vor einem türkischen Gericht zunächst freigesprochen wurde. Uyar zeigte sich überzeugt, dass das Verfahren politisch motiviert ist. Der Schriftsteller lebt seit 1991 in Deutschland. In seinen Werken befasst er sich auch mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei.

Ankara hat 40 Tage Zeit, in Spanien Akhanlis Auslieferung zu beantragen. Dessen Anwalt rechnet aber nicht mit der Auslieferung, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag) sagte.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, forderte Erdogan auf, die EU-Beitrittsverhandlungen zu beenden. „Der Verantwortliche für die Entfremdung der Türkei von Europa sitzt in Ankara, nicht in Brüssel. Erdogan sollte derjenige sein, der das Kapitel EU beendet“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“ (Montag).

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7 Kommentare zu "Der Fall Akhanli: „Sie möchten mich zum Schweigen bringen“"

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  • @Herr Toni Ebert

    Noch mehr fasziniert mich der Mut von Stuben- oder SH-Fliegen.

    Wenn man sieht, wie die trotz aller Gefahr penetrant immer wieder kommen, kann man von deren Mut wirklich beeindruckt sein.

  • Naja, dann erklären Sie doch mal ihren Quark, Herr Ebert, den Sie da schreiben:

    "für mich ist es eine Gnade, dass ich mit erleben darf, wie eine Musel Hochburg nach der anderen ins schwarze Loch zerbröselt wird. Die Gerechtigkeit der Welt ist einfach unübersehbar. Alles geht seinen Gang, Schritt für Schritt und bald ist es wieder türkische Hochkultur, wer seine Ziegen melkt und sie selbst weidet.
    9/11 ist nicht zu stoppen. Und was 9/11 in den USA gemacht hat, machen die Musel Attentate bei uns. Wer alles das deuten und verstehen kann, weiß auch, dass die Würfel eindeutig und nachhaltig gefallen sind."

    Das klingt, als ob bei Ihnen die Würfel ziemlich uneindeutig gefallen sind. Jetzt kann man nur spekulieren, aus welcher Ecke ihr geistiger Wind weht. Alt-Right? Steve Bannon? Alexander Dugin? Verschwörungstheoretiker? Erklären Sie es uns. Die Welt muss jeden Tag schon genug rätseln, was ihr Idol Trump vorhat.

  • Herr Tomas Maidan21.08.2017, 15:03 Uhr
    Herr Ebert, sind Sie noch ganz klar im Kopf? Ihre Äusserungen wirken etwas sehr schräg.
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    Dachte ich es mir doch, dass sie Zusammenhänge nicht immer erfassen können. Trotzdem bewundere ich ihren Mut, sich trotzdem dazu zu äußern.

    Ich mag Menschen, die so viel Mut offen zeigen.

  • Herr Ebert, sind Sie noch ganz klar im Kopf? Ihre Äusserungen wirken etwas sehr schräg.

    In diesem Artikel geht es um das repressive Vorgehen von Erdogan, einem typischen Neuen Rechten und Nationalisten. Ähnlich wie Trump in den USA ("War with the Media!") und der deutschen AfD ("Lügenpresse!") wollen diese Kräfte Journalisten und Schriftsteller unterdrücken. Das ist das Thema. Ihr Gefasel von 9/11 ist völlig daneben. Oder sagen wir besser: es sind wohl alternative Argumente für Alt Right ...

  • Ist bei Kaczynski in Polen ganz ähnlich. Das ist das ganz normale Vorgehen der Alternativen Rechten. Steht ja demnächst in Deutschland auch zur Wahl.

  • für mich ist es eine Gnade, dass ich mit erleben darf, wie eine Musel Hochburg nach der anderen ins schwarze Loch zerbröselt wird. Die Gerechtigkeit der Welt ist einfach unübersehbar. Alles geht seinen Gang, Schritt für Schritt und bald ist es wieder türkische Hochkultur, wer seine Ziegen melkt und sie selbst weidet.

    Mal sehen, ob danach Saudi-Arabien, oder der IRAN dran ist.

    9/11 ist nicht zu stoppen. Und was 9/11 in den USA gemacht hat, machen die Musel Attentate bei uns. Wer alles das deuten und verstehen kann, weiß auch, dass die Würfel eindeutig und nachhaltig gefallen sind.

  • DIe Politik muss endlich einsehen, dass man einen egomanen Psychopathen wie Erdogan nicht durch Sanktionen beeindrucken kann. Was die Politik tun muss, ist geduldig zu sein und einen langen Atem zu beweisen, bis der leider erst 63jährige Erdogan das Zeitliche gesegnet hat. Das heißt, natürlich sollten Sanktionen durchgeführt und umgesetzt werden. Die EU und insbesondere Deutschland müssen klare Kante gegenüber Erdogan zeigen. Man darf nur nicht erwarten, dass das bei Erdogan irgendetwas bewirkt. Nur das türkische Volk wird spüren, wie sehr es sich mit der Wahl Erdogans selbst ins Knie gef***t hat.

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