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27.10.2006 
Laurent Nkunda

Der gefährliche Zauderer

von Judith Reker

Laurent Nkunda wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Er soll geplündert und die Zivilbevölkerung terrorisiert haben. Laurent Nkunda kann eine entscheidende Rolle bei der Frage spielen, ob im Kongo nach den anstehenden Stichwahlen Frieden einzieht – eine Begegnung mit dem Warlord.

Gewaltlosigkeit sei sein Credo, sagt Warlord Laurent Nkunda. Foto: Reuters

Gewaltlosigkeit sei sein Credo, sagt Warlord Laurent Nkunda. Foto: Reuters

MASISI-BERGE. Der Mann empfängt seine Besucher am Rande eines Bauernguts inmitten von saftigen Bergweiden, auf denen Kühe grasen. Heiße Milch wird aufgetragen, ein Luxus in diesem Land, in dem zwei Kriege den Rinderbestand fast komplett vernichteten. Dann beginnt er zu plaudern – über seine Vorbilder Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Gewaltlosigkeit, das sei auch sein Credo, sagt er. Der Mann ist eloquent, er ist gebildet, er ist höflich. Wenn er sich räuspert, sagt er: „Excusez“.

Das soll er also sein, der Mann, der mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird, der angebliche Kriegsverbrecher im Kongo mit der größten Kampftruppe, der das Land geplündert und die Zivilbevölkerung terrorisiert haben soll. Der Mann, von dessen Verhalten es abhängt, ob in Teilen des Landes endlich Frieden einzieht: Laurent Nkunda.

Seit bald drei Jahren verschanzt er sich mit seinen Soldaten an der östlichen Grenze. Die Hauptstadt liegt einen halben Kontinent entfernt. Zugleich ist Kinshasa nah, denn Nkunda verfolgt die Winkelzüge dort ganz genau. Am Sonntag treten Joseph Kabila, Präsident der Übergangsregierung, und Vizepräsident Jean-Pierre Bemba in einer Stichwahl um das Amt des Präsidenten gegeneinander an. Das ist auch für Nkunda ein wichtiges Datum.

Er hat mitgeteilt, die Wahlperiode nicht zu stören. Beim ersten Wahlgang hielt er sich daran. Aber was passiert nach der Stichwahl? Von einer Verbrüderung Nkundas mit dem voraussichtlichen Verlierer Bemba wird gemunkelt. Um sich in eine gute Verhandlungsposition zu bringen, setzt Nkunda auf die Macht der Medien. Journalisten können sich daher zurzeit dorthin wagen, wo Nkunda herrscht: in die Masisi-Berge in der Provinz Nord-Kivu.

Dort und in der Nachbarprovinz Süd-Kivu begannen beide großen Kongo-Kriege der 90er-Jahre. An beiden waren ruandischstämmige Kongolesen wie Nkunda beteiligt. Auch deshalb nehmen Beobachter den 39-Jährigen ernster als die übrigen Warlords, die den Ostkongo faktisch zu einem Kriegsgebiet machen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Misstrauische Männer ziehen ihre Kreise um Nkunda.

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