Der Irak ist und bleibt das Thema auf dem Parteitag
Comeback eines Staatsmanns

Zögernd ist Tony Blair ans Rednerpult getreten. Schon wieder eine Rede, von der seine politische Zukunft abhängen soll. Dabei scheint es, als hätte die Labour-rote Bühnendekoration im Konferenzzentrum seit der Rede von Schatzkanzler Brown ein noch intensiveres Rot. Die Parteibasis will Labour wieder ein bisschen roter färben, ein bisschen wie früher.

HB BOURNEMOUTH. So sehnen sich die alten Genossen nach dem Irak-Krieg und angesichts des Streits um die Reformpolitik nach linken Gewissheiten zurück. Morgen, zum Schluss des Parteitags, wollen sie sogar die alte Hymne, die „rote Fahne“, wieder singen. Ob Blair überhaupt den Text kennt?

Schatzkanzler Gordon Brown kennt ihn bestimmt, und er hat auch gewusst, was die Partei hören wollte. „Labour braucht mehr als ein Programm, Labour braucht eine Seele“, hat er einen Tag vor Blairs Auftritt in den Saal gerufen und keinen Zweifel daran gelassen, dass er es ist, der die Seele der Partei kennt wie kein Zweiter. „Das wäre ein verdammt guter Premier“, murmelte Parteitagsbesucherin Karen Harris aus Nordostengland, als sie nach Browns Rede aufsprang. Zwei Minuten Beifall. Würde Blair nun wenigstens die Hälfte schaffen?

Schon der Eingangsapplaus ist überwältigend. Nie hat ein Labourpremier so lange regiert, nun spricht Blair gleich zu Beginn von der Aussicht auf eine dritte Amtszeit. Begeisterung. „Man wirft uns vor, unsere Regierungsmehrheit nicht genutzt zu haben?“ Nichts sei falscher als das, sagt er und beschreibt dann in glühenden Worten, wie Labour Großbritannien verändert hat. Mehr Krankenschwestern, höhere Löhne für den öffentlichen Dienst, bessere Rechte für homosexuelle Paare. Und dann spricht er von der Härte des Jobs – und vom Irak. „Viele waren wütend. Ich habe Verständnis für die, die anderer Meinung waren. Aber versucht, meine Entscheidung zu verstehen“, bittet er regelrecht. Die, die den Krieg angefangen hätten, die müssten nun auch den Frieden schaffen. Doch sein Credo bleibt: „Ohne Saddam wird der Irak ein besseres Land sein.“

Das ist nicht wirklich überraschend. Denn Stunden zuvor hat Tony Blair ein Fernsehinterview gegeben. Da saß er neben dem Gummibaum und sagte mit blendendstem Lächeln: „Es gibt überhaupt keinen Grund, warum wir uns als Land entschuldigen sollten. Wir haben im Irak genau das Richtige getan.“

Insofern ist manches Detail am Rande spannender. So fragt sich auch Swatambra Nandanwar, Delegierter aus Basildon, ob Tony Blair etwa trotz Irak-Krise, Untersuchungsausschuss und des Kampfs gegen militante Labourlinke die Zeit gefunden hat, sich die Zähne herrichten zu lassen. „Es ist wirklich ein strahlendes Lächeln“, sagt Swatambra Nandanwar, als er Blair im TV sieht.

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