Der „JFK der Niederlande“
Bos – Sozialdemokrat mit Charisma

Jungenhaft, witzig und undogmatisch – Wouter Bos verkörpert gleich mehrere positive Eigenschaften, die man den Niederländern nachsagt. Doch seit einigen Wochen sieht der Spitzenkandidat der sozialdemokratischen Arbeitspartei seine Felle davonschwimmen, weil die amtierende Regierung vom Wirtschaftsaufschwung profitiert.

DÜSSELDORF/DEN HAAG. Bos ist das Gegenteil eines Berufspolitikers: Statt aus Gesprächen mit Lobbyisten kennt er die Belange der Wirtschaft aus eigener Anschauung. Vor seinem Wechsel in die Politik war er in mehreren Management-Positionen im In- und Ausland für den Ölkonzern Shell tätig.

Die Weiche für diese Doppelkarriere stellt Bos bereits früh, indem er neben einem Politologie- auch ein Ökonomie-Studium in Amsterdam absolviert. 1998 gelingt ihm für die sozialdemokratische Arbeitspartei PvdA der Sprung ins niederländische Parlament. Zwei Jahre später übernimmt er unter der sozialliberalen Regierung Wim Kok das Amt des Staatsekretärs für Finanzen.

Nach dem Rücktritt der Regierung wegen des Massakers von Srebrenica und der anschließenden Wahlniederlage seiner Partei übernimmt er den Fraktionsvorsitz und avanciert rasch zum Hoffnungsträger der angeschlagenen PvdA. Besonders bei den Wählerinnen kommt der gutaussehende Blonde mit dem treuherzigen Blick gut an. Wegen seines charismatischen Auftretens wird Bos gerne mal als „JFK der Niederlande“ bezeichnet, zumindest im eigenen Lager.

Bos politisches Programm richtet sich vor allem gegen den Sozialabbau, mit der die Regierungskoalition unter seinem Kontrahenten Jan Peter Balkenende in den vergangenen Jahren den Staatshaushalt sanierte. Das kommt zunächst gut an bei den auf Konsens bedachten Niederländern, die sich vom studierten Ökonom Bos eine Versöhnung von Wirtschafts- und Sozialpolitik erhoffen. In den vergangenen Wochen sackten seine Umfragewerte jedoch, was Meinungsforscher mit dem Konjunkturaufschwung in den Niederlanden erklären.

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