Der Krieg in Mali: „Was kommt nach dem Krieg“

Der Krieg in Mali„Bitte vergesst uns nicht“

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„Was kommt nach dem Krieg“

Neben dem Hass auf die Gotteskrieger, die sie als „Terroristen, denen die Religion völlig egal ist“ sehen, so eine andere Teilnehmerin, und dem Dank an Frankreich berührt die Frauen vor allem eine Frage: „Was kommt nach dem Krieg, wie bauen wir das Land wieder auf? Bitte vergesst uns nicht!“ ruft Awwa Kumara von der Vereinigung der Malierinnen in Montreuil. Auch andere äußern die Furcht, dass „die Welt jetzt auf uns schaut, aber rasch ihr Interesse verliert.“

Die Auseinandersetzung mit dem Fundamentalismus bringt die Malierinnen auch dazu, ihre eigene Stellung in der malinesischen Gesellschaft offen zu debattieren. Als eine der Anwesenden sagt, die schlimmste Untat der Terroristen seien Vergewaltigungen gewesen, so etwas kenne man in Mali nicht, erntet sie heftigen Widerspruch: „Wir müssen endlich ehrlich sein und über die Gewalt reden, die unseren Körpern schon so lange angetan wird, im Namen der Tradition, der Rechte der Männer oder anderer Vorwände“, sagt eine ältere Frau, und eine junge pflichtet ihr bei: „Wir dürfen nicht einmal darüber reden, Sexualität wird tabuisiert.“

Die Frauen scheinen die Befreiung von den Terroristen auch als Möglichkeit zur Selbstbefreiung zu sehen und wollen sich diese Chance nicht entgehen lassen. Bürgermeisterin Voynet und Ministerin Vallaud-Belkacem, deren Eltern aus Marokko stammen, diskutieren fast zwei Stunden mit ihnen. Die Malierinnen, von denen nur wenige traditionell gekleidet sind, sind glücklich über diese Gelegenheit, bei der sie auch soziale Anliegen in Frankreich zur Sprache bringen: „Damit die Malierinnen in Frankreich richtig Fuß fassen können, sollte der Staat ihnen eine sechsmonatige Ausbildung mit Arbeitslosengeld ermöglichen,“ fordert Diara. Distanz oder gar Scheu gegenüber den Politikerinnen bemerkt man nicht bei diesem Treffen, an dessen Ende Vallaud-Belkacem verpricht: „Die Militäroperation Serval ist keine One-Shot-Angelegenheit, sie kann uns viel weiter bringen in der Solidarität, als es vorher der Fall war.“

Für Voynet ist der Krieg eine besondere Herausforderung. Sie hat im März 2008 die Wahl gegen die Kommunisten gewonnen, die Montreuil Jahrzehnte lang regiert haben. „Für deren Schulden zahlen wir noch heute“, sagt sie mit einem Anflug von Sarkasmus. Wegen des hohen Anteils der Malier an der Bevölkerung von Montreuil, von denen viele auch die französische Staatsbürgerschaft haben, spielt der Krieg hier eine ganz andere Rolle als im Rest von Frankreich, wo er eine weit entfernte, fast abstrakte Militäroperation ist.

Kommentare zu " Der Krieg in Mali: „Bitte vergesst uns nicht“"

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  • @ Eule: Frankreich ist halt eine grand nation, und in Mali liegt Uran zum Füttern der AKW ohne die, die Atombombennation kaum denkbar wäre. (Vorsicht kann Ironie enthalten)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • wäre das net ne idee das die ihre heimat aufbaun

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