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28.11.2007 

Deutsche Stellen bestätigen dem Handelsblatt diese Einschätzung, auch wenn sie sich vor Alarmismus warnen. „Wir haben, und das betone ich ganz bewusst, zwar im Moment keinerlei Hinweise auf eine wie auch immer geartete Vorbereitung irgendwelcher Anschläge von iranischer Seite“, sagt ein Verfassungsschützer. Doch er fügt hinzu: „Die klassische Ausspähung von Oppositionskreisen allerdings hält unvermindert dreist auf hohem Niveau an und ist genau so intensiv wie in den Monaten vor dem Mykonos-Attentat.“

Deutsche Fahnder und Chef-Ermittler befürchten nun, dass die Freilassung Darabis in Teheran erneut zu bewusst falschen Auslegungen führen werden. „Die Kette bewusster iranischer Fehl-Interpretationen lehrt uns: Man wird dort in Regierungs- und Geheimdienstkreisen von einem Rabatt, von Gnadenerweis der Regierung oder des Präsidenten, sogar von einer Urteilsrevision sprechen“, vermutet der Irankenner eines deutschen Dienstes – und bestätigt damit die Brisanz der israelischen und exiliranischen Befürchtungen, der Iran könnte wieder brachial gegen die Opposition im Exil losschlagen.

Dass diese Ängste nicht akademischer Natur sind, bestätigen Fahnder und Chefermittler. „Die haben ihre Bespitzelung der Exil-Opposition in Deutschland nie unterbrochen. Noch während des Mykonos-Verfahrens mussten wir feststellen, dass der iranische Geheimdienst VEVAK die iranischen Oppositionellen ungerührt weiter bespitzelt hat wie vor dem Attentat“, sagt ein Fahnder. Ein anderer Ermittler sagt, dass die „flächendeckende Bespitzelung auch heute in gleichem Umfang“ vom Verfassungsschutz festgestellt werde. Will heißen: Weiterhin fungieren halb offizielle iranische Stellen, darunter Wirtschaftsbüros und Tarnfirmen, islamische Zentren und Moscheen, als Anlaufstellen für Irans Geheimdienste in Deutschland. Damit nicht genug. „Iranische Agenten unterwandern wissenschaftliche und kulturelle Verbände und Stiftungen. Und auch die iranischen „Anti-Kriegs-Vereine“ in Deutschland melden jetzt verstärkte Aktivitäten,“ sagt Flüchtlingshelfer Hamid Nowzari.

„Nur in einer Sache haben sie offenbar dazu gelernt“, weiß der Verfassungsschutz: „Ihre Botschaft, die wir als Terrorzentrale enttarnt haben, ist nach unseren Erkenntnissen nicht länger Anlaufstelle für Terroristen. Diese Kontaktleute wurden auch als Folge der weitreichenden Ermittlungen peu à peu ausgewechselt und ausgelagert.“ Auch solche Erkenntnisse sind eine Folge der detaillierten Ermittlungen, die ein gutes Netz von Informanten aus iranischen Kreisen schufen. Nicht nur Kronzeugen holten die Ermittler aus der iranischen Nomenklatura in den Berliner Gerichtssaal 700 – vor allem den anonym auftretenden „Zeugen C“, den ehemaligen iranischen Geheimdienstmitarbeiter Mesbahi. Sie konnten auch belegen, dass Irans Revolutionsführer Ayatollah Chamenei persönlich als „politische Instanz den Tötungsauftrag“ für Berlin erteilte. Selbst in libanesischen Ausbildungscamp von Terroristen hatten sie Zeugen aufgetan, die die Mykonos-Attentäter als iranische Agenten identifizieren konnten.

Wie stark die Aufklärung wirkt, offenbart sich in Unmutsbekundungen des Iran. Als vor wenigen Tage, am 14. November, eine Delegation iranischer Parlamentarierinnen den Bundestag besuchte und auf Rechts- und Innenpolitiker traf, verkündeten diese die Version ihrer Regierung, der vierfache Mord sei „eine innerkurdische Angelegenheit“ gewesen.

Für alle Welt erkennbar enttarnte sich diese Gesinnung schon 2004, als am Tatort in Berlin eine Gedenktafel angebracht wurde. Der damalige Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad, der heutige Staatspräsident, verunglimpfte in einer wütenden Depesche an den Kollegen Klaus Wowereit die Gedenktafel als „Beleidigung Irans“. Denn auf dem Edelstahlschild stehen nicht nur die Namen der Toten, sondern auch der Zusatz: „Ermordet durch die damaligen Machthaber im Iran.“

Wowereit verweigerte sich der barschen Forderung , die Tafel zu verhindern. Mahmud Ahmadinedschad machte daraufhin eine rachsüchtige Drohung wahr. Im Gegenzug ließ er in Teheran eine Tafel errichten mit einer Liste all jener Staaten, die Iraks Diktator Saddam Hussein mit Chemiewaffen aufgerüstet hatten – ganz oben auf der Liste: Deutschland. Die Tafel steht noch heute in der Ferdosi-Straße, direkt gegenüber der Eingangstür der deutschen Botschaft.

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