Der Libanon und Syrien
Die Geldmaschine

Über Jahres hinweg hat sich die syrische Schutzmacht im Libanon schamlos die Taschen gefüllt. So kassierte im Kasino nicht nur rechtmäßig das Finanzministerium des Zedernstaats. Auch die Geheimen des syrischen Sicherheitsdienstes scheffelten Geld. Und oftmals spielten Libanesen bereitwillig mit.

BEIRUT. Es gibt Geschichten, die der libanesische Geschäftsmann Joe Faddoul besonders gerne erzählt. Eine geht so: Wenn morgens um neun Uhr im „Casino du Liban“ die Tore öffneten, dann dauerte es meist nicht lange, bis die Beamten des Finanzministeriums bei dem Beiruter Nobelkasino vorbeikamen. Dort schauten sie in die Kassen, zählten und sortierten die Einnahmen der vergangenen Nacht, packten sie in einen großen Sack und verschwanden wieder.

Doch manche Geldquelle übersahen die braven Finanzbeamten geflissentlich. Etwa die vielen Slotmaschinen, an denen nur Stunden zuvor die Spieler ihr Glück versucht hatten. Die waren praktisch exterritorial. Und die wurden bereits um drei Uhr morgens geleert – von Mitarbeitern des syrischen Geheimdienstes. Assistiert wurde ihnen von den Kollegen von der „Sureté Générale“, den libanesischen Sicherheitskräften, die den Syrern untergeordnet waren.

Von den so veruntreuten 50 Millionen Dollar pro Jahr floss der weit überwiegende Teil direkt in syrische Taschen. Selbst juristisch sah sich die syrische Inkasso-Truppe auf der sicheren Seite. Das veraltete Kasinogesetz, das einst mit dem libanesischen Staat geschlossen wurde, kannte seinerzeit noch keine Slotmaschinen. Eine Grauzone wie geschaffen für den täglichen Betrug.

Joe Faddoul ist kein selbst ernannter Saubermann des Libanons. Aber der Geschäftsmann, dem die Beiruter Softwarefirma Istisharat gehört, konnte von dem Thema nicht mehr lassen, nachdem er im Jahr 2003 einen Vortrag über die Gründe des chronischen libanesischen Budgetdefizits halten sollte. Als Faddoul für seine Rede vor dem französischen Senat zu recherchieren begann, merkte er schnell, in welchen Sumpf er geraten war. „Ich rechnete aus, dass die syrische Nomenklatura eine höhere Geldsumme aus dem Libanon abzweigte, als die öffentliche Verschuldung des Landes betrug.“ Insgesamt kalkulierte er die veruntreuten und illegal abgezogenen Gelder auf 26 Milliarden Dollar seit 1992. „Addiert man dazu die Zinsen, dann können Sie die gesamten Schulden des Libanons zurückzahlen“, bilanziert der Geschäftsmann. Tatsächlich liegt die erdrückende Schuldenlast des Libanons bei derzeit rund 40 Milliarden Dollar. Faddouls Rechnung könnte also hinkommen.

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