Der Mann gegen den Panzer
So entstand das legendäre Foto

Vor 25 Jahren zerschlägt Chinas Militär den Wunsch nach Freiheit von Tausenden Studierenden in Peking. Stunden später stoppt ein Mann auf offener Straße eine Panzerkolonne. Das Bild von ihm geht um die Welt.
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Hongkong/PekingBedrohlich haben sich die Panzer in Peking aufgebaut, aber ein Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose stellt sich ihnen unerschrocken in den Weg. 25 Jahre nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung in China ist das Bild von ihm eine Ikone für den Kampf eines Einzelnen gegen ein übermächtiges System geworden. „Mit dem Bild habe ich ein Zeichen gesetzt“, sagt der Fotograf Jeff Widener der Nachrichtenagentur dpa in Hongkong.

In der Nacht auf den 4. Juni haben sich die Soldaten ihren Weg in die Pekinger Innenstadt freigeschossen und den wochenlangen Protest von Studierenden am Tian'anmen-Platz niedergeschlagen. Am Tag danach fährt eine Panzerkolonne in der Nähe des Platzes die große Changan-Straße entlang. Plötzlich stellt sich ihnen der Mann in den Weg. Widener hält den Moment mit seiner Kamera aus einem einige Hundert Meter entfernten Hotelzimmer fest.

An beiden Händen hält der Mann auf der Straße Beutel. Er fuchtelt mit ihnen, als wollte er die mächtigen Kampffahrzeuge einfach wegscheuchen, wie Aufnahmen eines Kamerateams des US-Senders CNN zeigen. Mehrfach will der Panzer an dem Mann vorbeifahren, aber er stellt sich ihm immer wieder in den Weg. Dann klettert er auf den vordersten Panzer, und scheint mit der Besatzung reden zu wollen. Wenig später springt er wieder von dem Panzer herunter. Dann kommen zwei Männer, und bringen ihn von der Straße.

Die Tragweite der Szene habe er im ersten Moment gar nicht erkannt, gibt Fotograf Widener zu: „Anfangs hat mich der Mann gestört. Ich dachte, er zerstört meine Komposition.“ Dann drückte Widener trotzdem ab, ohne zu wissen, ob er ein klares Bild bekommen würde. Ein Student hilft ihm, den Film in Sicherheit zu bringen. „Er hat den Film versteckt in seiner Unterwäsche zur US-Botschaft geschmuggelt, und die haben ihn dann weitergegeben.“

Bis heute ranken sich zahlreiche Erzählungen um den „Tank man“, wie Widener den Mann nennt. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wer er ist oder war. Es gab Berichte, dass er ein 19 Jahre alter Student war, der anschließend erschossen worden ist. Andere Darstellungen widersprechen dem Bericht und sagen, dass der Mann nicht von den Behörden gefunden werden konnte und mit seinem Leben davongekommen ist. Er gilt weltweit als Legende. Nur nicht in China. Denn die Pekinger Führung lässt Abzüge des Bildes vernichten und Zensoren löschen jegliche Kopien des Fotos auf chinesischen Websites umgehend.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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