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13.02.2007 

Mit dem „Outsider“-Image haben schon Bill Clinton und George W. Bush erfolgreich Wahlkampf betrieben. Und wie genau Barack Obama Amerikas Wunden heilen will, mag an diesem Wintermorgen bei minus 15 Grad noch nicht ganz klar sein.Aber der Mann wirkt, als wolle er es tatsächlich wagen. Seine Glaubwürdigkeit ist Obamas große Stärke.

Fünf Minuten lässt er die Menge warten, bis er den entscheidenden Satz sagt: „Ich stehe vor euch, um meine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu erklären.“ Auch wenn niemand in Springfield etwas anderes erwartet hat – Erleichterung macht sich breit.

Als er kurz zuvor, um Punkt zehn Uhr, die Bühne betritt und die Jubelnden sieht, da wirkt Obama für einen Moment, als könne er nicht glauben, was er da sieht. Die Hoffnung in den Gesichtern, die Hingabe. „Ihr seid ja nicht nur wegen mir gekommen“, scherzt er, wie um sich selbst zu beruhigen. „Doch!“ widerspricht ihm ein Zuhörer, und Obama muss lachen.

Dabei hat der Rufer Recht: An diesem eiskalten Morgen sind die allermeisten nach Springfield gepilgert, um ihn zu unterstützen. Denn wer sich um die US-Präsidentschaft bewirbt, traut sich in den wohl härtesten, verbissensten, gnadenlosesten Wahlkampf der Welt.

Da sind nicht nur Rufmordkampagnen, die Konkurrenten über einem ausschütten. Da sind noch ganz andere Gefahren. „Ich bewundere ihn, dass er das auf sich nimmt“, sagt Kwame Raoul. „Und ich mache mir Sorgen um seine Frau und seine beiden kleinen Töchter.“ Denn das hier ist immer noch Amerika. Ein Land, das seine Hoffnungsträger schon mal mit dem Leben bezahlen lässt. So wie John und Bob Kennedy, Martin Luther King – oder Abraham Lincoln.

Dessen Namen nennt Obama in seiner Rede immer wieder. Denn es ist ja kein Zufall, dass er, der erst zwei Jahre in Washington zugebracht hat, ausgerechnet in Springfield vor dem alten Kapitol seine Kandidatur ankündigt. Am 16. Juni 1858 hatte Lincoln genau hier seine berühmteste Rede gehalten, als er vor der Gefahr warnte, sollten die USA ihre Spaltung in der Frage der Sklaverei nicht überwinden: „Ein gespaltenes Parlament kann nicht überleben.“ Lincoln rief die Amerikaner auf, für die Einheit der Union zu kämpfen – und es war Lincolns Bewerbungsrede für das Weiße Haus. Zwei Jahre später wurde Lincoln Präsident, und kurz nach seiner Vereidigung begann der Amerikanische Bürgerkrieg, der das Land vier Jahre lang verheerte.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „He’s just a regular guy“ – Obama ist ein ganz normaler Kerl

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