Sie werden Barack Obama so zerlegen wollen, dass außer dem Image des netten, aber naiven Jungen nichts mehr übrig bleibt von seiner Magie. Damit ihn die Menschen abhaken als einen, der es zwar gut gemeint hat, der aber am Ende nicht taugte für das brutale Geschäft in Washington.
Obama wird Stehvermögen brauchen – und Glück. Das hatte er, als er 2004 für den Senatssitz von Illinois im US-Kongress kandidierte. Starke Konkurrenten hatte er damals: Allen voran Blair Hull, der die demokratische Nominierung schon fest in der Tasche zu haben schien. Hull, schwerreicher Geschäftsmann aus Chicago, steckte knapp 30 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf – Obama nur vier Millionen. Doch Hull stürzte über eine Eheaffäre, und Obama trat gegen den Republikaner Alan Keyes an.
Den Ex-Präsidentschaftskandidaten spielte er in drei Fernsehdebatten mit Hilfe von „Obama-Magic“ an die Wand. Keyes wurde mit 27 Prozent nach Hause geschickt. Obama zog mit 70 Prozent der Stimmen als strahlender Sieger nach Washington.
Das Glück war ihm gleich doppelt hold. Denn wäre nicht auch John Kerry von Obamas Persönlichkeit fasziniert gewesen, wäre Harvard-Jurist Obama nie so schnell so bekannt geworden. Kerry, der 2004 für die Demokraten gegen Präsident Bush angetreten war, verschaffte Obama die beste Plattform, die es für einen Einsteiger in der US-Politik gibt: auf dem Nominierungsparteitag zu sprechen.
Obama nutzte die Gelegenheit mit einer fulminanten Rede an die Delegierten in Boston im Sommer 2004. Seitdem galt Obama als Mann für die Führungsreserve. Seit dem kalten Samstagmorgen in Springfield ist er darüber nun hinaus: Ab sofort schaut er nicht mehr nur zu. Barack Obama spielt mit – und zwar ganz vorne.
Noch schweigt die Konkurrenz, wenn es um Obama geht. Als wüsste sie nicht wirklich, was da eigentlich gerade geschieht. Aber wenn Präsident Bushs engster Vertrauter Karl Rove heute zu seinen Republikanern nach Springfield reist, wird er sich intensiv nach Barack Obamas Auftritt erkundigen. Und wenn seine Parteifreunde ehrlich sind, wird auch mancher Republikaner seinen Respekt vor dem Aufsteiger nicht verhehlen.
„Sollte er für die Demokraten ins Rennen gehen, dann werden manche der republikanischen Senatoren Obama wählen“, liest dessen Nachfolger Kwame Raoul die heimlichen Gedanken seiner konservativen Kollegen im Senat von Illinois.
Warum? Weil auch sie sich nicht der „Obama-Magic“ entziehen können. „Because he connects“, sagt Raoul. Es mache einfach „Klick“.
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