„Der Marktplatz war gerammelt voll"
Indonesien macht Al-Kaida-Verbündete verantwortlich

Nach der Explosion zweier Bomben innerhalb einer Viertelstunde auf einem belebten Marktplatz hat die indonesische Regierung den Doppelanschlag einer Gruppe mit Verbindungen zur Extremisten-Organisation Al-Kaida angelastet.

HB JAKARTA. Bei den Explosionen waren am Samstag 22 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Vize-Präsident Jusuf Kalla sagte am Sonntag, die Anschläge ähnelten denen, die in der Vergangenheit von der Moslem-Gruppe Jemaah Islamiah ausgeführt worden seien. Die Gruppe gilt als der indonesische Zweig der Al-Kaida. Ohne Einzelheiten zu nennen, wies Kalla insbesondere auf einen der Anführer, den Malaysier Noordin M. Top, hin. Er gilt als der meistgesuchte Extremist in der Region. Sicherheitsminister Widodo Adi Sutjipto kündigte verstärkte Geheimdiensteinsätze an. Ziel sei, das Terrornetz aufzudecken, das für die Gewalt verantwortlich sei.

Etwa 85 Prozent der 220 Millionen Indonesier sind Moslems. Jedoch hält sich insbesondere in den östlichen Landesteilen die Zahl von Christen und Moslems in etwa die Waage. Tentena liegt auf der Insel Sulawesi, wo bis 2001 rund 2000 Menschen bei religiös motivierten Gewalttaten ums Leben gekommen sind. Die neuen Anschläge lösten in der Region die Angst davor aus, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Moslems und Christen wieder aufleben werden. Auch nach einem 2001 geschlossenen Friedensvertrag war es wiederholt zu Unruhen gekommen. Die Anschläge am Samstag gehörten aber zu den schwersten Vorfällen seither.

„Der Marktplatz war gerammelt voll“

Beide Bomben explodierten innerhalb von 15 Minuten im Zentrum von Tentena. „Der Marktplatz war gerammelt voll. Er liegt im Herzen der Stadt“, sagte ein Augenzeuge einem Radiosender des Landes. Nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern wurden etliche Menschen schwer verletzt. Hunderte von aufgebrachten Leuten versammelten sich nach den Anschlägen vor dem Krankenhaus. „Die Lage ist angespannt“, sagte ein Behördenvertreter. „Die Menschen, darunter die Verwandten der Opfer, verurteilen den Anschlag und fordern von den Behörden, Jagd auf die Täter zu machen“.

Vor den Explosionen in Tentena hatte es verstärkte Warnungen westlicher Regierungen vor Terror-Anschlägen in Indonesien gegeben. Am Donnerstag hatten die USA sämtliche diplomatische Vertretungen in dem Land wegen einer Sicherheitsbedrohung geschlossen. Bei einem Anschlag auf Nachtlokale auf der Ferieninsel Bali waren im Oktober 2002 mehr als 200 Menschen getötet worden, die meisten davon Ausländer. Im September 2004 starben bei einer Explosion vor der australischen Botschaft in Jakarta zehn Menschen.

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