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06.01.2009 
Geschichte des religiösen Dialogs

Der missbrauchte Dialog

von Abdel Mottaleb El Husseini

Gespräche über religiöse Toleranz sind wichtig. Doch zu häufig werden sie von dubiosen Regimen instrumentalisiert. Dabei ist ein erfolreicher Dialog nur im Rahmen eines freiheitlichen Systems möglich. Warum der interreligiöse Diskurs keine politischen Konflikte lösen kann.

Auch in Mekka trafen sich Vertreter der Weltreligionen, um für Frieden und Toleranz zu predigen. Doch die Hoffnungen von Millionen Gläubigen werden immer wieder enttäuscht. Foto: dpaLupe

Auch in Mekka trafen sich Vertreter der Weltreligionen, um für Frieden und Toleranz zu predigen. Doch die Hoffnungen von Millionen Gläubigen werden immer wieder enttäuscht. Foto: dpa

HB. Eigentlich sollte sich das Jahr 2008 friedlich von uns verabschieden und in bester Erinnerung bleiben. Denn es registrierte eine Rekordzahl an internationalen Dialogkonferenzen der Religionen, die Frieden und Toleranz predigten. In Mekka, Doha, Madrid, Rom und New York trafen sich Vertreter der Weltreligionen. Doch die Hoffnungen der Menschen, ihre Sehnsüchte nach Frieden und Harmonie unter den Gläubigen wurden immer wieder enttäuscht.

Unmittelbar nach der Uno-Konferenz der Religionen im vorigen November erlebte die indische Metropole Bombay eine der schlimmsten Terrorakte ihrer Geschichte. Und in Gaza entflammte Ende Dezember ein blutiger Krieg zwischen Israel und Hamas. Den guten Reden des israelischen Präsidenten Schimon Peres und des saudischen Monarchen Abdullah vor der Uno-Vollversammlung folgten Bomben und Raketen, die vor Moscheen, Schulen und Wohnhäusern nicht haltmachten und viele Tote und Verletzte verursachten. Der Abgrund zwischen den Ansprüchen der zum Teil selbst ernannten Vertreter der Weltreligionen und der Wirklichkeit könnte also nicht tiefer sein - so sieht die bittere Realität zu Beginn des neuen Jahres aus. Außerdem zeigt sich immer wieder: Religiöse Dialoge können politische Probleme allenfalls vernebeln, aber nicht lösen.

Der Dialog der Religionen ist keine Erfindung der letzten Jahre. Das "Zweite Vatikanische Konzil" legte in seiner Erklärung "Nostra Aetate" vom 28. Oktober 1965 die Fundamente für das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den anderen Religionen. Neben der Hervorhebung des gemeinsamen Erbes von Juden, Christen und Muslimen wurde die Wahrung der Menschenwürde zur Grundlage jedes Dialogs erklärt.

Dass die Annäherung der Religionen eine Notwendigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus während des Kalten Krieges war und folglich politischen Charakter besaß, brauchte damals nicht erwähnt zu werden, ist heute aber fast in Vergessenheit geraten. Der gemeinsame atheistische Feind zwang die Vertreter der Religionen, nach Gemeinsamkeiten untereinander zu suchen und ihre Streitfragen in den Hintergrund zu drängen.

Der interreligiöse Dialog wurde infolgedessen zum größten Teil politisch instrumentalisiert. Er bildete den geistigen Rahmen für das Bündnis zwischen den Vertretern des politischen Islams und dem Westen. Besonders in den 80er-Jahren, während der sowjetischen Besatzung Afghanistans, unterstützten vor allem die Vereinigten Staaten den islamistischen Widerstand massiv. Diese Politik erwies sich später als ein fataler Fehler.

Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus ging die Allianz der Islamisten mit dem Westen zu Ende. In der westlichen Welt gewannen die Theorien vom Kampf der Kulturen und Religionen sowohl in den Medien als auch in der Politik mehr und mehr an Einfluss. Dies wurde durch den Aufstieg radikaler und terroristischer Bewegungen in der islamischen Welt begünstigt. Die jahrhundertealten Feindbilder zwischen der islamischen und christlichen westlichen Welt wurden wiederbelebt. Die Idee des Dialogs der Religionen verlor besonders in der Politik an Attraktivität.

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