Der Multikulti-Bush
Jeb Bush kandidiert für US-Präsidentschaft

Er wäre der dritte Bush und würde gegen Clinton2.0 antreten. George W. Bushs jüngerer Bruder Jeb Bush tritt mit seiner Rede in Miami in den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern ein.
  • 6

WashingtonJeb Bush will Präsident der USA werden. Vier Prozent Wachstum sind sein Versprechen, dazu 19 Millionen neue Jobs. Gewerkschaften will er entmachten und Washingtons industrielle Lobby-Industrie zerschlagen. Die Armee wird kräftig ausgebaut und es gibt neue Einwanderungsgesetze. Der neue Bush hat etwas für alle und jeden. Er will Präsident aller Amerikaner sein. Zumindest ist das sein Versprechen.

Sie dürfen nicht fehlen: Gleich fünf gigantische amerikanische Flaggen in Hintergrund stärkten dem Kandidaten bei seiner großen Ankündigung den Rücken. Eigentlich war Montagnachmittag jeder freie Zentimeter in dem umdekorierten Vielzweckraum einer Hochschule in Florida mit dem Star Spangled Banner gespickt. Dazu dröhnend laute Musik. Mexikanische Musik! Auf der Nominierungsparty eines konservativen Präsidentschaftskandidaten! Doch das war das Muss. Aber etwas anderes durfte gerne fehlen: Die früheren Präsidenten Vater George und Bruder George W. Bush waren prominent abwesend im Miami Dade College in Florida. Dort machte Jeb Bush öffentlich, was alle sowieso schon gewusst haben. Er will Präsident der USA werden, der mächtigste Mann der Welt sein.

Minuten vor dem Auftakt der Politshow schunkelt der Saal mit der Musik, die Trompeten schmettern, es ist Fiesta-Stimmung in der Ex-Präsidenten-freien Zone. Sein Familienname hängt dem 62-jährigen wie ein Mühlstein um den Hals. Er ist nach Miami geflohen, um zu beweisen, dass er mehr ist als nur zufällig ein Verwandter zweier Präsidenten, der jetzt auch mal dran sein will.

Konzentriert euch auf mich, schreit schon sein Logo, das am Sonntag enthüllt wurde. "Jeb!" sagt das Banner neben dem Rednerpult ganz schlicht, mit großem Ausrufezeichen, mit dem Zusatz 2016, aber ohne "Bush".

Plötzlich Aufruhr, Jubel braust auf: Clan-Mutter Barbara Bush kommt auf einen Rollator gestützt in den Saal. Sie winkt den Unterstützern kurz zu, setzt sich auf einen weißen Holzklappstuhl mit ihrem Namen. Sie ist politisch unbelastet. Sie ist geduldet. Der nächste Latino-Kracher bläst aus den Lautsprechern.

Miami ist nicht zufällig als Standort für den großen Auftritt gewählt. Es ist weit weg vom politischen Washington, das Jeb Bush schlicht umpflügen will. Da ist Distanz wichtig. Diejenigen, die das Chaos angerichtet haben, sollte man nicht damit beauftragen es zu beseitigen, mahnt er gerne. Das zielt gegen Hillary Clinton, aber auch die Senatoren aus der eigenen Fraktion, die gerne ins Oval Office wollen. „Da sind eine Menge Leute, die reden“, so Bush, „und die sind ziemlich gut damit. Aber wir müssen jetzt mal anfangen, die Dinge zu reparieren.“

Florida ist zugleich das Symbol seiner Unabhängigkeit von der Familie, weit weg von Cowboystiefel und texanischen Ölfeldern. Hier hat er ein Immobilienimperium aufgebaut und hier war er Gouverneur. Miami ist eine multikulturelle Stadt wie kaum eine andere in den USA und das College, in dem er heute spricht, hat nichts zu tun mit den Efeu-beladenen, blasierten Eliteuniversitäten der weißen Oberschicht an der Ostküste. Es ist ein staatliches College, 1960 gegründet und hier wurden schon afroamerikanische Jugendliche und Kinder von Exil-Kubanern aufgenommen, als in anderen Staaten Schwarze noch in den Bussen hinten sitzen mussten.

So mancher kennt Jeb noch aus seiner Zeit als Gouverneur. Da hat er gezeigt, was ein in der Wolle durchgefärbter Republikaner ist. Er hat Steuern gesenkt, privatisiert, was immer möglich war. Er hat die Waffengesetze gelockert und Regulierungen aufgehoben. Das Schulsystem wurde weitgehend privatisiert, die Lehrergewerkschaften zerschlagen. Er sieht es als Erfolg, Kritiker als Desaster.

Seite 1:

Jeb Bush kandidiert für US-Präsidentschaft

Seite 2:

Jeb will Konservativer des Positiven sein

Kommentare zu " Der Multikulti-Bush: Jeb Bush kandidiert für US-Präsidentschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ob Jeb Bush oder Hillary Clinton, es wird nur die nächste Marionettenfigur gewählt, nichts mehr und nichts weniger. Wer glaubt denn eigentlich noch, dass der Präsident der USA selbst tatsächlich der mächtigste Mann der Welt sei? Obama hat auch seine Lehren gezogen. Zunächst völlig überzeugt mit seinem "Yes, we can !!!" und nun muss er selber einsehen, dass das tatsächliche Sagen völlig andere im Hintergrund haben.

    Übrigens, je mehr Geld in der Wahlkampfkasse (entweder für die Republikaner oder die Demokraten) ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Wahlsieges. Ein perverses Wahlsystem... Und so was nennt sich Demokratie. Das ich nicht lache.

  • Muß natürlich heissen: Mit Krieg verdient man eben gut!

  • Mit Geld verdient man eben gut. Und gerade die Ukraine erfüllt noch ein weiteres Ziel: Abspaltung Europas von Rußland und damit keine Achse EU/RU/CHN. Auch die Einmischung der USA in die EU-Politik (Griechenland) hat doch nur zum Ziel die Europäer gegeneinander aufzuhetzten.
    Vor 5 Jahren kamen in den USA Meinungen auf, das in Mitteleuropa in 25Jahren Bürgerkrieg herrscht. Entsprechend haben sich die US-Reichen positioniert. Und dieses Ziel wird verfolgt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%