Der neue Weltbankchef
Wolfowitz schreckt Afrikas korrupte Potentaten auf

In Afrika hat der neue Weltbankchef Paul Wolfowitz den Feind jeglicher Entwicklungspolitik klar ausgemacht: „Die Korruption ist die größte Gefahr für die Demokratie seit dem Kommunismus.“ Ohne viel Federlesen geht er gegen korrupte Praktiken seiner Geschäftspartner vor. Zum Beispiel im Tschad: Die Weltbank sperrt dem Wüstenstaat einen Kredit von 124 Mill. Dollar.

KAPSTADT. Tschads Präsident Idriss Deby hatte eine mit der Weltbank getroffene Übereinkunft verletzt, die sein Land vom Missbrauch der Öleinnahmen abhalten sollte. Immerhin ist der Tschad ist nach Ansicht der Korruptionsforscher von Transparency International das korrupteste Land der Welt. Daher hatte die Weltbank den Tschad erst verpflichtet, 90 Prozent der Einnahmen in die Armutsbekämpfung zu stecken, bevor sie sich an dem Bau einer 3,7 Milliarden Dollar teuren Ölpipeline beteiligte.

Insgesamt hat die Weltbank wegen ungeklärter Korruptionsvorwürfe fast eine Milliarde Dollar an Krediten eingefroren, darunter 250 Mill. $ an Kenia, wo die Machthaber neuerdings immer härter gegen die kritische Presse vorgehen.

Das sorgt für Ärger bei den betroffenen Regierungen. „Im Stile eines Kolonialherren“ fühlte sich die Regierung des Tschad von der Weltbank abgekanzelt. Sie werde „zum Versuchskaninchen für den neuen Managementstil der internationalen Finanzorganisation“, heißt es in der Ndjamena. In anderen Hauptstädten Afrikas bangen die Machthaber schon vor einer totale Kreditsperre, schließlich sei ein gewisses Maß an Korruption in allen armen Ländern verbreitet. Auch im Weltbankjargon war die Bestechung lange Zeit euphemistisch als „Zusatzsteuer“ bekannt – und stillschweigend geduldet.

Wirkungslose Behörden reformieren

Wolfowitz sieht das anders. Er verstärkte erst einmal die Anti-Korruption-Einheit der Weltbank personell. Auch die eigens aufgebauten Anti-Korruptions-Behörden in den Ländern will er reformieren. Schließlich arbeiten sie meist wirkungslos. So musste der zu diesem Zweck in Kenia eingesetzte Beamte nach London fliehen, als seine Enthüllungen immer mehr Regierungsmitglieder erfassten. Obwohl die Weltbank einen unpolitischen Auftrag hat, knüpfte er schnell die Vergabe von Krediten auch an ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Korruption. Nur dann könnten sich auch die Wirtschaft entwickeln, lautet sein Credo. Wolfowitz weiß, dass er am Ende daran gemessen wird, ob es ihm gelingt, dafür weithin gültige und nachvollziehbare Kriterien zu erstellen. Dabei wird, wie der Fall Kenia zeigt, die Kreditvergabe auch an Kriterien wie die Einhaltung der Pressefreiheit gekoppelt, die als wichtiges Instrument im Kampf gegen die Korruption gilt.

Und auch in Afrika mehren sich Stimmen, die Wolfowitz’ harten Kurs begrüßen. Schließlich sind die früheren Entwicklungskonzepte der Weltbank fast wirkungslos verpufft. „Es wäre naiv zu glauben, dass unsere Unterentwicklung auf einem Mangel an Kaptial fußt“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Axelle Kabou aus Kamerun. Sie spricht Afrikas Eliten den Willen zur Veränderung ab und fordert noch mehr Druck vom Westen auf die korrupten Potentaten.

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