Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet

Der Papst tritt zurück
Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet

Der Rücktritt kam selbst für enge Vertraute überraschend. Kardinal Meisner hielt ihn für einen Scherz. Doch schon gibt es einen Zeitplan für die Papst-Nachfolge. Der Tag im Rückblick im Liveblog von Handelsblatt Online.
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Ausgerechnet am Rosenmontag schreckt Papst Benedikt XVI. die Welt mit einer ungewöhnlichen Nachricht auf: Als zweites Oberhaupt der katholischen Kirche überhaupt wird er sein Amt in Kürze abgeben.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Papst Benedikt XVI. legt am 28. Februar sein Amt nieder
  • als Grund sagte er, ihm fehle die Kraft, die katholische Kirche zu führen
  • das Osterfest soll bereits der Nachfolger zelebriere
  • rund zehn Favoriten werden von Buchmachern gehandelt
  • Benedikt ist der erste Papst seit 700 Jahren, der sein Amt abgibt
  • nach seinem Abschied will er sich ins Kloster zurückziehen
  • Merkel zollt Benedikt für seine Entscheidung Respekt

01:28 Uhr Kardinal Meisner wünscht sich jüngeren Papst

Nach Ansicht Joachim Meisners wäre als neuer Papst eine "Mischung" aus Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gut. "Die beiden haben sich herrlich ergänzt", sagte der Kölner Kardinal. Er wünscht sich außerdem einen jüngeren Papst als den Noch-Amtsinhaber. "Wenn ich einen ersten Blick über diesen Moment hinaus in die Zukunft werfe, dann müsste der neue Papst sicher ein Mann von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit sein", sagte Meisner dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Nicht älter als 70, würde ich sagen."

21:25 Uhr „Unvergessliche Besuche in Spanien“

Spaniens König Juan Carlos hat die „besondere Beziehung Seiner Heiligkeit zu Spanien“ hervorgehoben. Bei „drei unvergesslichen Besuchen in unserem Land hielt Benedikt XVI. Treffen mit der königlichen Familie ab, die von Zuneigung und Nähe geprägt waren“, erklärte Juan Carlos. Der Papst besuchte Spanien im Juli 2006, im November 2010 sowie im August 2011.

20:57 Uhr Kardinal Meisner hielt Rücktritt für Karnevalsscherz

Wenig Verständnis für den Rücktritt von hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner gezeigt. „Ich bin regelrecht schockiert“, sagte Meisner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der zugab, dass er die Ankündigung „erst für einen Rosenmontagsscherz“ gehalten habe. „Das geistliche Amt ist ja eine Art Vaterschaft. Und Vater bleibt man doch Zeit seines Lebens“, begründete Kardinal Meisner sein Unverständnis. Als eine Altersgrenze für Bischöfe und Priester eingeführt wurde, habe er lange Zeit gedacht: „Ein Glück, dass wenigstens der Papst auf Lebenszeit amtiert. Dann ist die Kontinuität dieser Vaterschaft gesichert.“ Allerdings merke er an sich selbst, „wie ich mit den Jahren doch mehr und mehr in den Seilen hänge“, räumte der 79-jährige ein. „Und insofern ist es schon sinnvoll, dass man auch zurücktreten kann." Dennoch habe ihn der Rücktritt total überrascht, weil Benedikt XVI. nie eine Andeutung gemacht habe. „Und wenn, dann hätte ich es nicht begriffen.“

18:59 Uhr Obama dankt für gute Zusammenarbeit

US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle haben Benedikt für die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren gedankt. „Im Namen von allen Amerikanern wollen Michelle und ich Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. unsere Wertschätzung und Gebete überliefern“, sagte Obama. „Michelle und ich erinnern uns mit Freude an unser Treffen mit dem Heiligen Vater im Jahr 2009.“ Die Kirche spiele eine wichtige Rolle in den USA und in der Welt, sagte Obama. „Und ich wünsche denen das Beste, die bald zusammenkommen werden, um einen Nachfolger auszuwählen.“

18:32 Uhr Entscheidung nach Mexiko- und Kuba-Reise

Benedikt Entscheidung soll bereits „vor vielen Monaten“ gefallen sein, berichtet die katholische Zeitung „Osservatore Romano“. Benedikt habe sie nach der langen Reise im März 2012 nach Mexiko und Kuba getroffen, schreibt Chefredakteur Gian Maria Vian. Er machte deutlich, dass das Wissen um das fortschreitende Altern wichtig für diese Entscheidung des Papstes „in seinem Bewusstsein vor Gott“ gewesen sei. Die Reise nach Mexiko und Kuba war eine der wichtigsten in Benedikts Pontifikat.

17:33 Uhr Bestürzung und Sorge in Marktl

Im Geburtsort von Papst Benedikt flossen heute die Tränen: Die 60-jährige Karin Frauendorfer, angesprochen auf dem Marktplatz von Marktl, kann die Tränen nicht zurückhalten: „Ich finde, das verdient halt größten Respekt, dass er das so macht.“ Im Geburtsort Joseph Ratzingers ist aber auch Unsicherheit zu spüren, ob der Ort seine wichtigste touristische Einnahmequelle behält.

Kommentare zu "Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet"

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  • non "il papa"

    http://www.corriere.it/cronache/13_febbraio_11/papa-lascia-pontificato_d6c03642-7438-11e2-b945-c75ed2830f7b.shtml

    ... "il papa" ...

    http://dict.leo.org/itde?lp=itde&p=DOKJAA&search=non&trestr=0x8004

    ~~~

    Erwachserne haben einfach keine Ahnung

    http://fc04.deviantart.net/fs50/f/2009/316/9/d/Baby_Sinclair_by_Urrgos.jpg

  • Ich bin für Silvio Berlusconi. Das wäre doch mal was für den verstaubten Vatikan...
    Und der Rest der Finanzwelt würde sich auch freuen ;-)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Immer, wenn ich höre "Der heilige Stuhl", "Der heilige Vater", oder noch schlimmer "Der Stellvertreter Christi" kommt mir der Zorn hoch über so viel Anmaßung! Anmaßung einer Kirche, die sich in ihrer Geschichte durch Folter, Hexenverbrennung, zusammenraffen von Gütern, Unterjochung von Menschen und dem sexuellen Mißbrauch von Kindern hervorgetan hat.

  • Unbegreiflich, dieses Amt, bedeutet Lebenslang!
    In ein Kloster könnte er schon gehen, zumal er ja Benedektiner Mönch ist.
    Für mich persönlich schade,da ich damals im Kloster von seiner Wahl bzw Ernennung erfahren habe und ergriffen war, weil auch kurz davor, ich den Taufnamen Benedikt angenommen hatte!

  • Was hat er denn getan, der gute alte Mann, für das die Kanzlerin ihm danken kann? Oder irgend jemand sonst, wenn wir schon dabei sind.

  • Alles Einzeltäter, wie wir doch nun oft genug beteuert bekommen haben.

  • Mein Gott, ich bin jetzt nicht mehr Papst. Das ist aber genauso interessant wie wenn in Rom eine Pizza im Ofen verbrennt.

  • Die Oekumene wird sich durchsetzen, ganz gleich welcher Papst die Schafe zu hüten hat.

    Der Papst zeigt aller Welt, seine Gesundheit läßt ihm keine andere Wahl, davor muß ich den Hut ziehen.

    Noch besser sollte es Wirkung auf diejenigen haben, die in politischem Amt und Würden ihr Dasein fröhnen, endlich mal Einsicht zeigen, sich nicht nur als Revolutionärin zu outen, aber keine Revolution von unten zu lassen, um keinen Preis.

    Dem bleibt nur hinzuzufügen, Frau Merkel, so katholisch können Sie gar nicht sein. Eine Feststellung, von der ich nicht abrücke.

  • Die katholische Kirche sollte die Gunst der Stunde nutzen und sich basisdemokratisch aufstellen. Also ganz ohne Papst auskommen.

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