Der Präsident und sein Premier
Das furchtlose Duo

François Fillon ist nicht zu beneiden: Der neue französische Präsident Nicolas Sarkozy hat ihn sich zum Premierminister erwählt, doch sonderlich viel Handlungsspielraum dürfte Fillon nicht bekommen. Schon verbreiten Pariser Höflinge, der Mann werde bloß ein besserer Frühstücksdirektor sein. Doch die Spötter unterschätzen das neue Spitzenduo.

PARIS. Der Präsident lädt ein. Mal bittet das frisch gewählte Staatsoberhaupt in den hübschen Pavillon de la Lanterne im Schlosspark von Versailles, mal in seine Büros im vornehmen siebten Pariser Arrondissement. Und alle kommen: ehemalige Regierungschefs und Minister, Neogaullisten und Sozialisten, Gewerkschaftsvorsitzende und Unternehmer. Die vielen illustren Besucher begegnen Nicolas Sarkozy selten allein. Neben dem braun gebrannten Präsidenten sitzt fast immer ein zweiter, blasserer Mann. Sarkozy trifft letzte Vorbereitungen für seinen Einzug in den Elysée-Palast, und der designierte Premierminister François Fillon hilft ihm dabei.

Sarkozy führt, Fillon assistiert. Diese Arbeitsteilung dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Der neue Staatschef will nicht nur herrschen, sondern auch regieren. Er will nicht hoch über seinen Untertanen thronen in den himmlischen Gefilden des Elysée-Palastes wie sein Vorgänger, sondern hinabsteigen in die Tiefen des politischen Alltags.

Damit schränkt er zwangsläufig den Handlungsspielraum des Premierministers ein. „François Fillon wird bloß ein besserer Stabschef des Präsidenten sein“, heißt es boshaft in den Fluren der Pariser Macht. Kein Problem für den künftigen Regierungschef: Fillon wünscht ausdrücklich, dass der Präsident mitmischt. „Wir brauchen ein engagiertes Staatsoberhaupt, das seine Entscheidungen täglich erklärt und Verantwortung dafür übernimmt“, fordert der Premier in spe. „Politische Pädagogik“ sei unverzichtbar, um die Franzosen auf dem Reformweg „mitzunehmen“.

Reformen wollen Sarkozy und Fillon so schnell wie möglich in Angriff nehmen, wobei der Arbeitsmarkt für sie absolute Priorität hat. Das Duo an der Spitze des Staats will Überstunden von allen Abgaben befreien, damit die Franzosen wieder länger arbeiten. Außerdem planen sie, das Streikrecht im öffentlichen Dienst einzuschränken, den Kündigungsschutz zu lockern und die Arbeitslosenversicherung völlig neu zu organisieren.

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