Der Sitzenkandidat der rechten UMP
Nicolas Sarkozy: Der ungestüme Modernisierer

Als Erster gestartet, lange Sieger in den Umfragen, ein Durchhänger – und dann doch ein klarer Vorsprung. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs stützt die Ambitionen des Nicolas Sarkozy, der im Gegensatz zu seiner sozialistischen Kontrahentin schon seit Jahren auf den Einzug in den Élysée-Palast hinarbeitet.

PARIS. Sarkozys größtes Problem ist er selbst: Wie kaum ein Kandidat der Rechten vor ihm polarisiert der 52-Jährige die Wähler. Seine Wahlplakate werden am häufigsten beschmiert oder abgerissen. Das linke Magazin bezeichnete ihn in der jüngsten Titelgeschichte schlichtweg als „verrückt“. Diese emotionalen Reaktionen entzünden sich vor allem an Sarkozys Wesen: Sein unbändiger Wille, seine überbordende Energie. Vor allem junge Wähler sind laut Umfragen beunruhigt und fragen sich: Was soll erst werden, wenn Sarkozy erst einmal Präsident ist?

Sarkozy, der stolz ist, kein Produkt der Elite-Schmieden wie der ENA zu sein, verspricht den „Bruch“ mit dem Schmusekurs der Vorgänger-Präsidenten François Mitterrand und Jacques Chirac, die über 25 Jahre so gut wie keine tief gehenden Reformen gewagt hatten. Er will den Staat entschlacken und die Arbeit, den eigenen Erfolg, besser belohnen. Etwa, indem die maximale Steuerbelastung auf 50 Prozent der laufenden Einkommen gedeckelt wird.

Zwei herbe politische Niederlagen, 1995 und 1999, haben Sarkozy viel Zeit zum Nachdenken gegeben, um programmatisch die Nach-Chirac-Ära einzuläuten. Dabei zählte Frankreichs scheidender Präsident zu Beginn von Sarkozys Laufbahn zu seinen Ziehvätern. Doch als 1995 der damalige Premierminister Edouard Balladur seine Absprache mit Chirac bricht, und doch als Präsidentschaftskandidat antritt, schlägt sich Sarkozy auf Balladurs Seite. Diesen Hochverrat verzeiht Chirac ihm nicht. Nach seinem Wahlsieg schickt er Sarkozy in die Wüste.

Erst nach Chiracs triumphaler Wiederwahl 2002 holt er Sarkozy in die Regierung – aber nicht als Premierminister, sondern als Innenminister. Niemand vor ihm hat das Amt so für das eigene Marketing eingesetzt. Stets mit TV-Kameras im Schlepptau ist der Minister dort, wo es brennt: Wie im Herbst 2005, als Frankreichs Vorstädte in Flammen aufgehen. Zurückweichen kommt für ihn nie in Frage. Seine Bilanz als Innenminister gilt dennoch als gemischt, denn die Zahl der Gewaltstraftaten steigt an.

Zwischenzeitlich hatte ihn Chirac 2004 zum Finanzminister gemacht. Hier entdeckten die Deutschen, dass sich hinter dem Modernisierer-Image kein Marktliberaler verbirgt. Denn mit kämpferischer Rhetorik und Steuergeldern rettet er den Alstom-Konzern vor dem Zusammenbruch.

In der Kampagne zur ersten Wahlrunde zielte Sarkozy mit Forderungen nach einem Ministerium für „Einwanderung und nationale Identität“ klar auf Frankreichs Rechte, die er versuchte, hinter sich zu einen. Den erneuten Einzug des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen konnte er so verhindern. Nun muss der UMP–Kandidat sich wieder mehr der Mitte zuwenden, um zu siegen.

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