Der US-Präsident besucht den schwarzen Kontinent
George W. Bush entdeckt Afrikas Armut

George W. Bush tritt in die Fußstapfen von Jimmy Carter und Bill Clinton. Unter den ersten 42 US-Präsidenten unternahmen nur die beiden Amtsinhaber der Demokratischen Partei längere Afrika-Reisen. Am Montag startet der Republikaner Bush eine fünftägige Tour durch den schwarzen Kontinent. Auf dem Programm stehen Senegal, Südafrika, Botswana, Nigeria und Uganda.

WASHINGTON. Die PR-Maschinerie des Weißen Hauses hat den Bush-Besuch bereits im Vorfeld zum Mega-Ereignis deklariert. „Wir glauben, dass dieses Jahrzehnt Afrika einen einzigartigen Fortschritt für Freiheit, Hoffnung, Heilung und Frieden bringen kann“, schwelgte der Präsident in wortreicher Polit-Lyrik. „Auf dem Weg der Freiheit und durch die Freundschaft mit den USA und anderen Nationen wird Afrika aufsteigen und zu Wohlstand kommen.“ Von Korruption, Misswirtschaft und politischem Chaos war dabei nicht die Rede.

Aus dem Umfeld Bushs heißt es, dass die Reise in die veränderte US-Sicherheitsstrategie nach dem 11. September passt. „Instabilität und gescheiterte Staaten schaffen eine Umgebung, in der Terroristen sehr leicht Wurzeln schlagen können“, betont ein hochrangiger Regierungsbeamter. Liberia sei zu einem gefährlichen regionalen Unruheherd geworden. Deshalb habe Bush den Druck auf den liberianischen Regierungschef Charles Taylor erhöht, zurückzutreten.

In letzter Zeit bezieht das Weiße Haus zunehmend auch den Faktor Armut als eine der Ursachen für den Terrorismus ein. Dies ist ein Schwenk gegenüber der Politik kurz nach dem 11. September. Damals verwiesen Mitglieder der Administration vehement darauf, dass Länder wie Mali zwar bettelarm, aber deswegen noch keine Bastionen für Gewalttäter seien.

Die Terrorbekämpfung steht im Mittelpunkt der Afrika-Visite von Bush. Vor diesem Hintergrund will die US-Regierung an zwei Hebeln ansetzen. Durch eine Finanzspritze von 100 Mill. $ sollen Afrikas Flug- und Seehäfen sicherer gemacht werden. Darüber hinaus hat die Administration angekündigt, 15 Mrd. $ für eine flächendeckende Anti-Aids- Kampagne zu geben.

Bush ließ sich bei seiner zunehmenden Vorliebe für Afrika von Außenminister Colin Powell beeinflussen, der von Anfang an für eine Verbesserung von Amerikas Standing bei den Armen warb. Darüber hinaus mahnten religiöse Organisationen immer wieder ein verstärktes humanitäres Engagement auf dem von Elend und Bürgerkrieg zerstörten Kontinent an. Der wiedergeborene Christ Bush nahm diese Anregungen auf, die an die Kampagne des „mitfühlenden Konservatismus“ zu Beginn seiner Amtszeit erinnern.

Doch hinter Bushs Kampf gegen Armut stehen auch Image-Gründe. Der Chef des Weißen Hauses will damit sein immer noch weit verbreitetes Bild vom hartherzigen Unilateralisten korrigieren. Kürzlich präsentierte er sich als Sachwalter Afrikas, als er die EU für den Hunger auf dem Schwarzen Kontinent mitverantwortlich machte. Sein Vorwurf, Brüssel zwinge seine Importbeschränkungen für genmanipulierte Nahrungsmittel indirekt anderen auf, war allerdings eher eine Referenz an die heimische Agrarlobby.

Auch Amerikas Desinteresse für den Kongo, wo seit 1998 mehr als drei Millionen Menschen Opfer von ethnischen Konflikten wurden, zeigt die Grenzen von Bushs humanitärer Mission. Das Thema Handel dürfte bei der Afrika-Reise eher eine Randrolle spielen. Im vergangenen Jahr betrugen die US-Importe aus dem gesamten Kontinent gerade mal 9 Mrd. $. Dabei profitierten vor allem die Öl-Lieferländer Nigeria, Angola und Gabun. Afrikanische Staatschefs fordern daher eine Änderung der US-Gesetze, um die Einfuhr von Textilien zu ermöglichen. Zudem solle Washington die Subventionen für Getreidearten kippen, die auch in Afrika angebaut werden. Bushs Vision von einem blühenden Kontinent bleibt daher wohl eine Wunschvorstellung.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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