Der Weg der Londoner Selbstmordattentäter
Aus der Jugendherberge in den Tod

Die britischen Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die vier Selbstmordattentäter von London bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Pakistan, dem Geburtsland ihrer Eltern, auf ihre Mission vorbereitet wurden.

HB LONDON. Experten sehen derartige Schulen in der Nachfolge der afghanischen Trainingscamps von El-Kaida-Anführer Osama bin Laden. Ein ehemaliger Teilnehmer sagte der Zeitung "The Times": "Die Lager sehen heute eher wie Jugendherbergen aus. Die Organisatoren wollen keine Krieger mehr ausbilden, die im Schlaf eine Kalaschnikow abfeuern können. Sie wollen den Geist formen, so dass die Rekruten bereit sind, ihr Leben für die Sache zu geben."

Kurz vor den Anschlägen reiste nach Vermutungen der Ermittler eigens ein Hintermann nach Großbritannien, um die inzwischen in ihr Geburtsland zurückgekehrten Attentäter anzuleiten. Der Instrukteur, der wahrscheinlich Verbindungen zu El Kaida hat, erklärte ihnen, wie sie die Sprengsätze handhaben müssen. Der Drahtzieher sei etwa Mitte 30 und vermutlich bereits früher an Terroranschlägen beteiligt gewesen.

Die vier Männer hatten bis zu ihrer geistigen Wendung wie ganz normale Briten gelebt und standen mitten in der Gesellschaft: Selbstmordattentäter Mohammad Sidique Khan (30) etwa war ein Hilfslehrer für besonders schwierige Schüler und sehr beliebt. Einmal wurde er sogar von der „Times“ interviewt, sprach über die Förderung benachteiligter Kinder. Seine Frau ist gerade zum zweiten Mal schwanger.

Der attraktive Shehzad Tanweer (22) war ein begeisterter Cricketspieler, dessen Zimmer voller Pokale steht. Shehzad war "stolz darauf, Brite zu sein“, sagt sein Onkel. Auch Hasib Hussain (18) liebte Cricket - und Fußball. Der Vierte, Ejaz Fiaz, ist ein stiller Familienvater. Typisch englische Reihenhaussiedlungen aus rotem Backstein sind der Schauplatz ihres Lebens.

So angepasst die vier auf den ersten Blick wirkten: Fast schon über Nacht haben sie sich verändert. Hasib Hussain kommt nicht mehr in Jeans und T-Shirt in die Schule, sondern im traditionellen Gewand. Plötzlich sagt er nicht mehr „Hi“, sondern „Salam“. Shehzad Tanweer lässt sich einen „Mohammed-Bart“ wachsen, rasiert ihn wieder ab, lässt ihn wieder wachsen: „Er konnte sich nicht entscheiden, was er sein wollte“, sagt sein Onkel.

Der entscheidende Wendepunkt sowohl bei Hasib als auch bei Shehzad war der mehrmonatige Aufenthalt in Pakistan. „Ich dachte, der hat eine Gehirnwäsche bekommen“, erinnert sich Hasibs Cousin. Doch Hasibs Eltern freuten sich: Vor der Reise hatte er einen Ladendiebstahl begangen und war recht aufsässig gewesen - jetzt schien er zu innerer Ruhe gefunden zu haben.

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