Derivatehandel und Leerverkäufe
EU setzt auf Transparenz statt Verbote

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BRÜSSEL. Derivate sind hochkomplexe Finanzprodukte, die meist außerbörslich bilateral zwischen zwei Vertragspartnern gehandelt werden. Das Geschäft hat ein weltweites Volumen von mehr als 600 Billionen Dollar. Bei den Leerverkäufen handelt es sich um eine Handelstechnik, bei der Anleger auf sinkende Kurse spekulieren. Außerbörslich gehandelte Derivate und ungedeckte Leerverkäufe sind im Zuge der Finanzkrise als hochspekulativ in Verruf geraten.

„Spekulation ist unverzichtbar“

Kommissar Barnier hält gleichwohl nichts davon, diese Instrumente nun pauschal zu verbieten, um Spekulanten an den Märkten den Garaus zu machen. Spekulation sei ein unverzichtbarer Bestandteil des Wirtschaftslebens, sagte Barnier in Brüssel. „Wenn man Spekulation untersagen würde, wäre das genauso, wie wenn man dem Regen verbietet zu fallen“, sagte der Franzose. Ihm gehe es vielmehr darum, „die Risiken exzessiver Spekulation zu begrenzen“. Schließlich dürfe es auf den Finanzmärkten „nicht zugehen wie im Wilden Westen“.

Deshalb setzt Barnier vor allem auf mehr Transparenz. So sollen Banken, Unternehmen und andere Marktteilnehmer künftig alle Geschäfte mit Derivaten an ein sogenanntes Transaktionssregister melden. Diese zentralen Datensammelstellen würden es der neuen EU-Finanzaufsicht ESMA ermöglichen, sich einen Überblick über das Derivategeschäft und die Risiken zu verschaffen. Außerdem sollen die meisten Derivate standardisiert und über zentrale Verrechnungsstellen abgewickelt werden. Dabei kann es sich um Clearinghäuser oder Börsen handeln. Diese müssen einspringen, wenn einer der Geschäftspartner ausfällt, so dass keine gefährlichen Kettenreaktionen ausgelöst werden, wenn ein Marktteilnehmer zahlungsunfähig wird.

Die EU-Kommission zieht damit eine späte Lehre aus der Finanzkrise. Die Pleite von Lehman Brothers hatte Banken weltweit mit in die Tiefe gerissen, weil die US-Investmentbank mehr als 10 000 Geschäftspartner hatte, die auf Verlusten sitzenblieben.

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  • Herr M.R. meint es gut mit den Lesern. Daher färbt er Kommentare politisch ein, hier links. Ohne die betreffenden Autoren zu kennen. Ts ts. Herr R., ich Folge ihrem beispiel und denke, dass Sie ein berechtigtes interesse daran haben, bestimmte Finanzprodukte zu erhalten. Leben Sie zufällig von deren Verkauf? Oder partizipieren Sie anderweitig davon? Für den Leser ein gut gemeinter Hinweis, der zum Nachdenken anregen sollte: Panzer und Raketenwerfer sind ebenfalls nur 'abgeleitete Produkte', und zwar von Handfeuerwaffen.
    Übrigens käme unsere Gesellschaft nur deshalb nicht mehr ohne die meisten Finanzprodukte aus, weil sonst der Schuldendienst nicht mehr zu erbringen wäre. Das Problem ist, das der 08/15-bürger die Verkettungen nicht erkennen kann. Ach ja, die Sozialpolitik ist ein Problem der Politiker, nicht der bevölkerung. Die hat das Problem der Staatsverschuldung, das die Politiker noch leidlich mit dem falschen Ehrgeiz betrachten. bevor Kommentatoren andere bevormunden, sollten sie ihre Hausaufgaben besser machen und nicht nur Gelerntes nachplappern. Schönen Tag allen Lesern.

  • Dies Aussage meine Vorredners ist natürlich mal wieder quatsch und ganz aus der linken Ecke. Die Argumente sind immer die gleichen, man kann es kaum noch hören. Die "Schere zwischen Arm und Reich" usw.
    Derivate sind grundsätzlich einmal keine "Kasino-Produkte", so wie Messer nicht Mordwerkzeuge sind. Derivate sind allgemein Produkte, die sich von anderen ableiten. beispielsweise von der Siemensaktie eine Option zum Kauf der Siemansaktie. Diese Produkte sind wichtig, weil man sich gegen Kursverluste absichern kann. insofern ist auch eine Versicherung ein Derivat, mit der man die finanziellen Risiken eines Todesfalls absichern kann. Ohne den Handel mit diesen Produkten und ohne jegliche Spekulation, wäre der Markt sehr viel größeren Verwerfungen ausgesetzt. Denn der Grund warum ein Kleinaktionär seine Siemens jederzeit verkaufen kann ist der, dass es immer eine Käufer gibt. Gerade diese Käufer sind das "Öl im Getriebe", sie stehen für Liquidität. Geld wird kaum dem Prokuktivkreislauf in schädigender Weise entzogen, denn wäre die derzeite Gesamtgeldmenge investiert, wäre die Gesamtrendite bei 0%. Die Geldmenge an sich scheint mir zu groß, auf basis der Ansicht meines Vorredners. Allerdings führt das System auch nicht zu einer so starken Umverteilung wie die Linken meinen: 1. ist es ein offenes System seid der Abkehr vom Goldstandard, d.h. die Geldmenge weitet sich ständig aus und so ist ein Gewinn für einen nicht automatisch ein Verlust für einen anderen über einen längeren Zeitraum gesehen 2. Weltweit gesehen gibt es eine wachsende Mittelschicht von fast 500 Mio Menschen, die es vor 10 Jahren nicht gab. Arme werden ärmer, Reiche reicher, aber es gibt auch immer mehr Reiche und eben eine wachsende Mittelschicht. Gab es noch vor 20 Jahren weniger als 100 Milliardäre, gibt es heute über 1000 weltweit.

    Das in Deutschland die Schere auseinander geht, hängt mit der hiesigen Sozialpolitik zusammen, denn weltweit sind diese Effekte -wie schon beschrieben- anders.

    ich bitte Leser solcher Artikel sich bitte genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Diese plolitisch gefärbten Leserkommentare, voll mit Polemik bringen niemanden weiter, weil es einfach so nicht ist oder ein Teil der Wahrheit weg lässt.

  • it läuft der Kasinobetrieb wieder wie gehabt und koppelt sich mehr denn je von der realen Wirtschaft ab.in früheren Zeiten hießen diese Geschäfte Optionsgeschäfte, man musste sich die Aktien im Verkaufsfall gegen eine Optionsgebühr leihen. Das war ja auch in Ordnung.
    ich kann ja auch nicht im Kasino Roulette spielen und die Chips erst später von dem erwarteten Gewinn kaufen!

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