Desaster bei Auslands-Urnengang
Deutsch-Türken verärgert über Wahlpannen

Eine Premiere endet im Desaster: Erstmals konnten Türken ihre Stimme im Ausland abgeben und den türkischen Präsidenten wählen. Doch die Beteiligung ist verschwindend gering – und es gibt einen Manipulations-Verdacht.
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kölnEr ist den ganzen Weg von Ankara nach Köln gekommen, hat sich inszenieren und feiern lassen. Ein Meer aus Rot und Weiß, Sprechchöre und frenetischer Jubel erwarteten ihn. Seine Vorredner hatten ihn als „Basbakan“, als „großen Führer“, angekündigt. Doch die One-Man-Show war vergeblich.

Vier Tage nach Ende der ersten türkischen Präsidentschaftswahl in Deutschland vom 31. Juli bis zum 3. August und mehr als zwei Monate nach seinem Aufsehen erregenden Aufritt in der Kölner Lanxess Arena steht fest: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan ist gescheitert – zumindest bei der deutsch-türkischen Diaspora.

Lediglich 232.000 Türken hätten außerhalb der Türkei ihre Stimme für einen neuen Staatspräsidenten abgegeben, sagte der türkische Vize-Ministerpräsident Emrullah Isler diese Woche. Im Berliner Olympiastadion und in großen Hallen in Hannover, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, München und Karlsruhe hatte die türkische Wahlbehörde „Hoher Wahlausschuss“ (YSK) riesige Wahllokale eingerichtet. Außerhalb der Türkei waren auf der ganzen Welt knapp 2,8 Millionen Menschen stimmberechtigt.

Im Vorfeld hatte die Wahlbehörde mit einer Beteiligung von 30 bis 35 Prozent im Ausland gerechnet. Das Ergebnis entspricht jedoch einer Wahlbeteiligung von lediglich 8,3 Prozent. Die Nichtregierungsorganisation „Gurbetin Oylari“ bezifferte die Beteiligung sogar auf nur fünf Prozent.

Dabei erlebten die in Deutschland lebenden Türken gleich eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal durfte das türkische Volk sein Oberhaupt direkt bestimmen. Bislang war die Wahl dem Parlament vorbehalten. Die zweite Premiere: Auch 1,4 Millionen stimmberechtigte Türken in Deutschland konnten erstmals ihre Stimme abgeben. Weil es in der Türkei keine Briefwahl gibt, hatten viele von ihnen nie zuvor gewählt.

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