Designierter US-Botschafter für Deutschland
Diplomatische Gehversuche

Etwas unscheinbar kommt der Mann im grauen Anzug daher, doch seine Botschaft ist klar. „Die Bundesregierung bemüht sich derzeit um dringend notwendige Reformen“, sagt William Timken, der designierte US-Botschafter für Deutschland.

WASHINGTON. „Es sind wichtige erste Schritte unternommen worden, doch es muss mehr getan werden.“ Bei seiner gestrigen Anhörung im US-Senat präsentiert sich der 67-jährige Stahlunternehmer vor allem als Mann der Wirtschaft und als Brückenbauer: „Die USA teilen mit Deutschland das entscheidende Interesse, das Wachstum und den Wohlstand in Europa zu erhöhen.“

Aber auch in politischer Hinsicht verteilt Timken Vorschusslorbeeren. Er lobt das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan und auf dem Balkan und hebt den deutsch-amerikanischen Schulterschluss beim irakischen Wiederaufbau hervor. Dabei streift er die transatlantischen Differenzen über die Invasion am Golf. „Wir werden nicht immer übereinstimmen, aber unsere Beziehungen werden durch einen offenen Meinungsaustausch stärker: Unterschiedliche Sichtweisen begünstigen kreative Lösungen.“

Klare Sprache, balancierter Ton: Bei seinem ersten diplomatischen Gehversuch schlägt sich Timken wacker. Er klingt wesentlich versöhnlicher als sein Vorgänger Daniel Coats. Der hatte die Bundesregierung wegen ihrer Opposition zum Irak-Krieg immer wieder massiv angerempelt und nach Meinung von Kritikern viel Porzellan zerschlagen.

Timkens Bestätigung durch den Senat gilt als sicher. Zwar verfügt er wie sein Vorgänger über keine Erfahrung auf dem außenpolitischen Parkett, dafür kann sich seine Bilanz als Unternehmer sehen lassen. Bis vor drei Jahren war er Chef des weltweit operierenden Stahlherstellers Timken Company, der in Canton im Bundesstaat Ohio sitzt.

Trotz seiner exzellenten internationalen Verbindungen hat Timken allerdings kaum Kenntnisse über Deutschland. Die Sprache beherrscht er nur sehr lückenhaft. Immerhin hat er familiäre Wurzeln in der „Alten Welt“, die allerdings weit zurück liegen. Urgroßvater Henry stammte aus Bremen und wanderte 1838 als Siebenjähriger mit seiner Familie in die USA aus.

Präsident George W. Bush kam es bei der Besetzung des Botschafter-Postens in Berlin jedoch weniger auf germanophile Feinfühligkeit an. Der Stahl-Fabrikant aus dem hart umkämpften Wechselwähler-Staat Ohio ist ein treuer Freund der Republikaner, der allein für Bushs Wiederwahl-Kampagne 2004 mehr als 200 000 Dollar locker gemacht hatte. Er gehörte damit zu den wichtigsten Geldgebern des Präsidenten.

Der enge Draht zum Weißen Haus wird Timken in Berlin jedoch kaum weiterhelfen. Deshalb bekommt er in diesen Tagen mehrere Schnellkurse von Deutschland-Spezialisten. „Er muss vor allem das Image eines Prokonsuls vermeiden“, meint einer der Experten. Ein anderer US-Berater hat für den diplomatischen Neuling ein simples Rezept: „Zuhören, zuhören, zuhören.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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