Desinteresse der Politiker
Japans Führung ignoriert Finanzkrise

Die politische Führung in Tokio interessiert sich kaum für die internationalen Finanzturbulenzen. Die Japaner sehen in der Kreditkrise ausschließlich ein Problem für die USA und die EU und wollen ihre Exporte in diese Länder gegebenfalls einfach nach Asien umleiten. Doch so einfach ist die Lage nicht.

TOKIO. Statt sich mit der weltweiten Finanzkrise zu beschäftigen, streiten Regierung und Opposition in Japan viel lieber über eine Sondersteuer auf Benzin. Zugleich ist eine absolute Schlüsselposition mitten in der Bankenkrise verwaist: Die Führer der weltweit immer noch zweitgrößten Volkswirtschaft konnten sich nicht auf einen Kandidaten für den Präsidenten der Notenbank einigen. Daher steht die Bank of Japan seit vergangener Woche unter der kommissarischen Leitung eines Vizepräsidenten - der zu allem Überfluss auch noch neu im Amt ist.

Das Desinteresse der Politiker liegt an einer in Japan weit verbreiteten Einstellung: Diese Krise geht nur die USA und die Europäische Union etwas an, unseren Banken geht es gut, und statt nach Amerika exportieren wir eben nach Asien. Diese Sichtweise stellten hochrangige Regierungsvertreter jüngst auch einem offiziellen Besucher aus Deutschland dar.

Doch die Lage ist nicht ganz so einfach, wie die Politik sie gerne hätte. "Die Theorie von der Abkopplung ist ein wenig zu optimistisch", warnt der ehemalige Präsident der Notenbank, Toshihiko Fukui. Zwar hat die Finanzkrise bisher nur geringe Verluste für Japans Geldhäuser verursacht. Branchenweit lagen sie lediglich bei knapp vier Mrd. Euro - kein echtes Problem für die gut verdienenden Institute.

Für Japans Finanzsektor sei es eine glückliche Fügung gewesen, dass er sich nach einer langen Bankenkrise noch nicht wieder an komplexe Produkte herangewagt habe, sagt Ökonom Dai Higashino von der Außenhandelsorganisation Jetro. Auch steigen die Exporte nach Asien tatsächlich überproportional an - China hat 2007 die USA als größter Handelspartner Japans überholt.

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