Detroit hat jahrzehntelange Erfahrung mit sinkenden Einwohnerzahlen
Parkplätze, mit Stacheldraht umzäunt

Die Jefferson Avenue könnte Detroits Prachtstraße sein. Breit, kilometerlang und pfeilgerade führt sie entlang des Detroit-Flusses bis zum nordöstlichen Nobelvorort Grosse Pointe. Aber schon nach ein paar Blocks ist Schluss mit der Pracht. Schier endlos reihen sich leere Grundstücke, heruntergekommenen Bauten, Läden und Gewerbebetriebe aneinander.

DETROIT. Die Jefferson Avenue ist kennzeichnend für die Stadt Detroit, die selbsternannte „Welthauptstadt des Automobils“. Die Stadt hat Jahrzehnte des Niedergangs hinter sich: Rassenunruhen in den 60er Jahren, Ölschock und Automobil-Krise in den 70ern hinterließen ihre Spuren. Selbst während des langen Aufschwungs in den 90er Jahren gehörte Detroit zu den wenigen US-Großstädten mit rückläufigen Einwohnerzahlen. 1950 war Detroit eine Metropole mit zwei Millionen Einwohnern. Heute sind es weniger als eine Million.

Viele der verfallenen oder ausgebrannten Gebäude, die noch vor wenigen Jahren allgegenwärtig waren, wurden inzwischen abgerissen und meist durch umzäunte Parkplätze ersetzt. Eiserne Zäune, oft mit Stacheldraht bekrönt, sind beliebt in Detroit. Vereinzelte neue Wohnsiedlungen, die risikofreudige Bauherren mit Steuersubventionen auf freie Innenstadtgrundstücke gesetzt haben, sehen aus wie Festungen im Niemandsland. Die Bewohner sind überwiegend junge Leute ohne Kinder. Sorgen über öffentliche Sicherheit und mangelhafte Schulen hält Familien weiter in den Vororten.

Viele Innenstadtstraßen sind dringend reparaturbedürftig und in einigen Viertel fällt immer noch gelegentlich wochenlang die Straßenbeleuchtung aus. „Von den 150 Quadratkilometern, die in den vergangenen 40 Jahren dem Verfall und der Zerstörung preisgegeben wurden, hat die Stadt erst ein Sechstel saniert“, schreibt Rechtsprofessor John Mogk von der Wayne State University in Detroit. Er macht dafür unter anderem Grundstücksspekulation, unklare Eigentumsrechte und die Scheu der Behörden vor Enteignung verantwortlich.

Andere, von ähnlichen Problemen geplagte US-Industriestädte wie Cincinnati, Milwaukee oder Cleveland haben mit aufwändigen architektonischen Symbolbauten versucht, den Niedergangstrend umzudrehen. In Detroit hat man mit dem einstigen Prachthotel „Rennaissance Center“ gemischte Erfahrungen gemacht: Es steht ohne Bezug zum Rest der Stadt am Flussufer, wirkt festungsartig und verbaut den Blick aufs Wasser. Seit Jahren wird das ehemalige Hotel permanent repariert und modernisiert.

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