Deutsch-italienischer Gipfel in Maranello
Trauer statt Stärke in der Ferrari-Stadt

Der italienische Premier Matteo Renzi wollte sich beim deutsch-italienischen Gipfel in der Ferrari-Stadt Maranello als wichtige Stimme in Europa präsentieren. Doch die Erdbebenkatastrophe in Mittelitalien überschattet alles.

MaranelloEs war ein Gipfel der gedämpften Töne und des demonstrativen Schulterschlusses: Weder die Bundeskanzlerin noch der italienische Premier Matteo Renzi wollten für die Fotografen nach ihrem Gespräch beim deutsch-italienischen Gipfel in der Ferrari-Stadt Maranello lächeln. Das schwere Erdbeben in Mittelitalien mit rund 300 Toten hat die Schwerpunkte in der Politik verschoben. „Wir haben mitgefühlt, lieber Matteo“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel und lobte die „sehr professionelle Hilfe“. Sie kündigte an, dass Deutschland den Wiederaufbau einer Schule im Erdbebengebiet finanzieren wolle.

Das Erdbeben, seine Folgen und daraus resultierende Forderungen waren das eine große Thema des bilateralen Gipfels. Das andere war die Flüchtlingskrise: Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung, die beiden Regierungschefs am Herzen liegen, wurden da nur gestreift. Renzi und Merkel hatten das halbe Kabinett zum Gipfel mitgebracht, dazu kamen Wirtschaftsvertreter aus Deutschland und Italien.

Gastgeber Renzi hatte nach einem Rundgang durch die Werkshalle von Ferrari zusammen mit der Bundeskanzlerin mit einigen Rettern aus dem Erdbebengebiet über die Katastrophe und die Bergungsarbeiten gesprochen. Auch die Männer mit dem Polizeihund Leo waren dabei, die die vierjährige Giorgia 16 Stunden nach dem Beben aus den Trümmern ihres Hauses gerettet hatten. Ihre Schwester hatte die Katastrophe nicht überlebt. Die Geschichte war um die Welt gegangen. Die Kanzlerin wollte genau von ihnen wissen, wie sie die kleine Giorgia gerettet hatten.

„Die Trauer in Projekte ummünzen“, dieses Motto des Bürgermeisters von der vom Erdbeben zerstörten Kleinstadt Amatrice griff der italienische Premier auf. Auf die Frage, ob Italien mehr Flexibilität von der EU-Kommission verlangen werde, sagte er: „Italien hat Reserven bereit, auch ohne Hilfsprogramme.“ Jetzt gehe es darum, das Geld, „das da ist, richtig auszugeben“. Das sei erste Priorität, dazu kämen völlige Transparenz und Legalität. Er wolle einen Mentalitätswechsel in Italien und dazu gehöre auch das professionelle Management der Prävention.

Also nicht mehr Flexibilität? „Wir werden die europäischen Regeln in Anspruch nehmen, aber erst mit einem seriösen Projekt“, sagte er. Schon gleich nach dem Erdbeben hatten Mitglieder der Regierung in Rom von der EU eine zusätzliche Lockerung der Stabilitätskriterien verlangt, damit Gelder in den Wiederaufbau fließen können. Der Stabilitätspakt sehe schon ausreichende Ausnahmen vor, hatte die Bundeskanzlerin in der vergangenen Woche beim Dreiergipfel in Ventotene zu dem Thema gesagt. Italien mit seiner chronisch hohen Staatsverschuldung, dem Defizit und einem Nullwachstum im zweiten Quartal muss in Kürze den Haushalt 2017 vorlegen und möchte wie schon für 2016 mehr Flexibilität von Brüssel.

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Merkel steht zu ihren Worten „Wir schaffen das“

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