Deutsch-polnische Beziehungen
Kaczynski will Vertriebenenzentrum in Berlin verhindern

Der Streit um ein Vertriebenenzentrum in Berlin ist wieder entfacht. Polens neu gewählter Präsident Lech Kaczynski hat von der Bundesregierung einen Stopp der Planungen für das Projekt gefordert. Der Vertriebenenverband ist empört und spricht von "nationalistischen Tönen".

HB WARSCHAU. In einem Interview der „Bild“-Zeitung sagte Kaczynski, es wäre für die Beziehungen Deutschlands und Polens „das beste, wenn dieses Zentrum nie gebaut würde“. 60 Jahre nach dem Krieg brauche man Beziehungen, die auf Vertrauen basierten. „Ich habe die große Hoffnung, dass wir dieses Problem endlich gemeinsam lösen“, sagte das künftige polnische Staatsoberhaupt.

Kaczynski wies Vorwürfe zurück, er habe die Präsidentschaftswahl mit antideutschen Parolen gewonnen. Er sei vielmehr „ein Partner und Freund der Deutschen“. Er halte es jedoch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, der gesagt habe, es sei legitim, wenn ein deutscher Regierungschef deutsche Interessen verteidige. „Dieses Recht nehme ich auch für mich und mein Land in Anspruch“, sagte Kaczynski, der unter anderem einen respektvolleren Umgang der Deutschen mit seinen Landsleuten verlangte. Er wäre dankbar, „wenn in Deutschland zumindest einige Vorurteile über den 'typischen Polen' verschwinden könnten“.

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, wies die Kritik des neu gewählten polnischen Präsidenten, Lech Kaczynski, am geplanten Vertriebenenzentrum scharf zurück. Kaczynski sei nicht in Deutschland Präsident geworden, sagte Steinbach der Chemnitzer „Freien Presse“.

Für die Errichtung des neuen Dokumentationszentrums in der Mitte Berlins habe die Wahl in Polen „keinerlei Bedeutung“. Bei seiner Kritik an Deutschland und Russland habe Kaczynski sein ganzes Selbstbewusstsein ausgespielt, über das er offenbar verfüge. „Diese überzogenen nationalistischen Töne werden ihm aber in der EU nicht helfen“, betonte die CDU-Politikerin.

Nach Einschätzung Steinbachs haben Kaczynski und die neue Regierung alle Hände voll zu tun, „um die Versprechungen gegenüber der polnischen Bevölkerung zu erfüllen, was ihnen schwer fallen dürfte“. Die Vertriebenen und Deutschland als Feindbilder seien da ein „wunderbares Ablenkungsmanöver“, sagte die Vertriebenen- Präsidentin.

Sie kündigte an, die landsmannschaftliche Arbeit ihrer Organisation in Polen nach der Wahl Kaczynskis nicht einzustellen. In Warschau habe es seit Jahren eine aufgeheizte Stimmung gegen Vertriebene gegeben. Die Zusammenarbeit mit zahlreichen polnischen Bürgermeistern und Landräten sei jedoch ausgezeichnet.

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