Deutsch-Polnische Beziehungen
Kartoffelkrieg spitzt sich weiter zu

Neue Entwicklung im Kartoffelkrieg: Die Warschauer Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob es sich bei der "taz"-Satire über den polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski um eine Beleidigung des Staatsoberhauptes handelt. Nach Ansicht der Zeitung nimmt die Affäre damit "absurde Züge" an.

HB WARSCHAU. Im Streit um eine „taz“-Satire über den polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski ermittelt nun die Warschauer Staatsanwaltschaft. Es wird geprüft, ob es sich bei dem Text über die „neue polnische Kartoffel“ um eine Beleidigung des Staatsoberhauptes handelt. Nach polnischem Recht ist das eine Straftat und kann mit zwei Jahren Gefängnis geahndet werden. Przemyslaw Gosiewski, der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) forderte bereits einen internationalen Haftbefehl gegen den Autor.

Nach Ansicht der "taz" nimmt der Streit „absurde Züge“ an. „Wir sind einigermaßen empört“, sagte der stellvertretende Chefredakteur der in Berlin erscheinenden „taz“, Reiner Metzger, am Freitag. Der Autor einer Glosse hatte auf der Seite „Die Wahrheit“ - unter der Rubrik „Schurken, die die Welt beherrschen wollen“ - Kaczynski als „Polens neue Kartoffel“ bezeichnet. Der Text sei von der Zeitung klar als Satire gekennzeichnet gewesen und nach deutschem Recht nicht anfechtbar, sagte Metzger. Das Blatt wolle abwarten, was die Ermittlungen in Polen ergeben.

Nachdem der Text in polnischer Übersetzung auf der Webseite des polnischen Außenministeriums veröffentlicht wurde, schlagen die Wogen hoch. Lech Kaczysnki sagte seine Teilnahme am Besuch des Gipfeltreffens des Weimarer Dreiecks ab - liberale Medien spekulierten, aus Verärgerung über den Text. Der Sprecher des Außenministerium trat zurück - angeblich ohne Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „taz“-Satire auf der Ministeriums-Webseite „Die Welt über uns“.

Diese Seite ist seit dem Vorfall nicht mehr zugänglich - die Abgeordneten des oppositionellen Bündnis der Demokratischen Linken (SLD) wollten nun wissen, ob ein Zusammenhang bestehe. SLD- Generalsekretär Grzegorz Napieralski bezeichnete die Sperrung der Seite als Zensur. „Sie wurde zu dem Zeitpunkt vorgenommen, als ein für die Regierung unangenehmer Artikel erschien.“

Die ultra-katholische Zeitung „Nasz Dziennik“ hatte schließlich mit dem Hinweis „Namen, die man sich merken sollte“ alle in Warschau akkreditierten Journalisten deutscher Medien aufgelistet - unter anderem den Handelsblatt-Korrespondenten Reinhold Vetter. „Nasz Dziennik“ gehört zum Medienkonzern von Pater Tadeusz Rydzyk, dessen fundamentalistischer Sender „Radio Maryja“ im März wegen antisemitischer Programminhalte scharfe Reaktionen des Vatikans ausgelöst hatte.

„Die Geschichte lehrt uns immer wieder, dass der Glaube an Wohlwollen und Anstand unserer Nachbarn der Glaube der Dummen ist“, warf „Nasz Dziennik“ den deutschen Medien offene „Feindseligkeit“ vor. Mit ihrer Weigerung, Zugeständnisse an die deutsche Politik zu machen, hätten die Brüder Kaczynski die deutschen Journalisten gegen sich aufgebracht, „die sich daran gewöhnt hatten, dass man die Polen ungestraft beleidigen darf“. Eine polnische Mitarbeiterin eines deutschen Senders ist von diesen scharfen Tönen geschockt: „Das erinnert mich in Ton und Formulierung an die schlimmsten kommunistischen Zeiten.“

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