Deutsch-russische Beziehung
Eine Frage des Vertrauens

Russlands Präsident Wladimir Putin hat während eines Treffens mit deutschen Konzernchefs die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen betont. Doch die Zweifel an der politischen Zuverlässigkeit Moskaus nehmen zu.

BERLIN / MÜNCHEN. „Farbenprächtig“ – gleich mehrfach hat Wladimir Putin am Mittwoch dieses Adjektiv in den Mund genommen, um zu sagen, wie er Bayern wahrgenommen hat. Fast alles war vor dem Schloss der bayerischen Könige im Herzen der Stadt und unter bayernblauem Himmel aufmarschiert, was Rang und Bedeutung hat im Freistaat, die Gebirgsschützen, die Trachtenverbände, die Knabenkapelle aus Nördlingen; und dann die Mannschaft im dunklen Tuch beim Sektempfang und später in der grünen Galerie der Münchener Residenz, die Herren der bayerischen Wirtschaft. Selten in letzter Zeit haben so viele Dax-Käpitäne beisammengesessen wie jetzt bei Putin und Edmund Stoiber in München.

Bayern und Russland, glaubt man den offiziellen Verlautbarungen, dann ist das eine ganz besonders erfolgreiche Geschichte im Rahmen der ohnehin erfolgreichen deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Fast jede zweite der großen deutschen Investitionen ist von bayerischen Unternehmen getätigt worden, fast 50 Prozent aller in Russland aktiven Firmen stammen aus dem Freistaat oder haben zumindest bayerischen Anteil, lobte Putin und hätte fast dabei gelächelt.

Wären nicht die unangenehmen Begleitumstände der Reise gewesen, es hätte wirklich ein ganz harmonischer Tag in München werden können. Denn Deutschlands führende Wirtschaftsmanager durften sich und ihre Firma in der grünen Galerie präsentieren, das ist der Ort, an dem die bayerischen Kurfürsten und Könige einst ihre prachtvollen Feste feierten. Hier durfte Klaus Kleinfeld, der Siemens-Chef, drei Minuten lang von den Perspektiven der Medizintechnik erzählen, ohne das Wort BenQ auch nur in den Mund zu nehmen. Wolfgang Sprißler berichtet für die Hypo-Vereinsbank von den Erfahrungen und Perspektiven einer deutschen Großbank in Putins Reich, ohne Allesandro Profumo beim Namen zu nennen. Werner Zedelius für die Allianz und Aufsichtsratschef Hans-Jürgen Schinzler für die Münchener Rück sprachen von den Chancen der Assekuranz.

Putin, der Deutschland-Freund, hat gelauscht, später wird er mehrfach die großen Zukunftsperspektiven in den Wirtschaftsbeziehungen preisen. Bayern sei ein „Leader“ in Hochtechnologie, gerade hier sehe er große Potenziale. Ähnliches gilt auch für Automobile. Die großen Audis, erzählt ein Mitarbeiter von Audi-Chef Manfred Winterkorn, der ebenfalls zu Putin sprechen darf an diesem Tag, sie verkaufen sich in Russland wie geschnitten Brot. Mehr als 7 300 Audis hat die VW-Tochter in diesem Jahr bereits verkauft, ein Plus von 60 Prozent gegenüber 2005.

Dazu passt die Einschätzung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, nach der Russland als Investitions- und Produktionsstandort für deutsche Firmen an Bedeutung gewinnt. Nach Angaben des Vorsitzenden des Ausschusses, Klaus Mangold, planten deutsche Unternehmen im nächsten Jahr in Russland Investitionen von mehr als 1,4 Milliarden Euro, unter anderem im Energie- und Automobilbereich.

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