Deutsche Ausstellung in Peking
Die Aufklärung erreicht China

Ausgerechnet am Platz des Himmlischen Friedens in Peking wird 2010 eine deutsche Ausstellung zur „Kunst der Aufklärung“ eröffnet werden. Das hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag als Beispiel für wachsende Bedeutung der auswärtigen Kulturpolitik angekündigt. Dabei spielte er auch auf die politische Bedeutung einer intensiveren deutschen Außendarstellung an.

BERLIN. Die Bundesregierung hat deshalb die Ausgaben für den deutschen Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsauftritt im Ausland in den vergangenen drei Jahren um mehr als 30 Prozent erhöht.

Das Projekt in Peking wird seit längerem vorbereitet. Hintergrund ist, dass das chinesische Nationalmuseum vom Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner umgebaut wird. Zur Eröffnung sollen die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Bayerischen Gemäldesammlungen dann 2010 eine einjährige Ausstellung bestücken. Beobachter weisen auf die besondere politische Symbolik hin: Denn der Platz des Himmlischen Friedens war nach der blutigen Niederschlagung von Studentenprotesten zum Sinnbild für das autoritäre Regime in China geworden.

Dass die chinesische Führung nun ausgerechnet eine Ausstellung über die europäische Aufklärung zur Wiedereröffnung des Nationalmuseums akzeptierte, wird dabei als Zeichen angesehen. Seit einigen Jahren gibt es zwischen Deutschland und China einen Dialog über den Weg zu mehr Rechtsstaatlichkeit und über Menschenrechte. Kultureller Austausch solle zwar nicht politisch instrumentalisiert werden, wirke aber in Bereichen, die die Politik nicht erreiche, betonte Steinmeier.

Die klassischen Mittel der Außenpolitik reichten nicht mehr aus. Verstärkt gebe es auch eine Debatte über andere Wertesysteme. „Es geht zwar ausdrücklich nicht um einen Kulturkampf, aber kulturelle und religiöse Konflikte können wir nicht wegreden“, betonte der Außenminister. Westliche Werte seien in vielen Teilen der Welt nicht mehr automatische Ziele. Staaten wie Deutschland müssten verstärkt für ihre Vorstellungen werben.

Um eine deutsche oder westliche Sichtweise der Welt bekannter zu machen, hat die Bundesregierung deshalb auch den Auslandssender Deutsche Welle ausgebaut. Ähnliche Anstrengungen gibt es etwa in Frankreich.

Es gibt aber noch weitere Motive für das verstärkte deutsche Auftreten. Zum einen drängt die exportorientierte und immer globaler aufgestellte deutsche Wirtschaft darauf, das Netz der deutschen Auslandsschulen auszubauen. Entsprechende Forderungen erheben die Wirtschaftsverbände seit Jahren. Die 150 000 Schüler an deutschen Auslandsschulen oder Schulen mit deutschsprachigen Zweigen könnten so in frühen Jahren eine positive Beziehung zu Deutschland entwickeln. Zum anderen soll durch die Schulen und die verstärkte Gründung bilateraler Universitäten im Ausland der in den kommenden Jahren erwartete Mangel an Fachkräften in Deutschland mit abgedeckt werden.

Ein weiteres Motiv ist das Bemühen Deutschlands um einen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Nachdem eine erste Reform 2005 gescheitert war, wird derzeit in der Uno in New York ein neuer Anlauf für eine Erweiterung des höchsten Uno-Gremiums unternommen. Deutschland strebt dabei weiter einen ständigen Sitz an. Jedes Land braucht dafür aber eine Zweidrittelmehrheit in der Uno-Vollversammlung, weltweit also hohe Sympathiewerte. 

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