Deutsche Bank
Griechenland-Umschuldung kostet 200 Milliarden Euro

Die Deutsche Bank hat die Kosten für eine Umschuldung Griechenlands auf etwa 200 Milliarden Euro beziffert. Scharfe Kritik gab es derweil für die Rolle der EZB in der Griechenland-Krise.
  • 19

BremenEine Umschuldung Griechenlands würde nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer etwa 200 Milliarden Euro kosten. „Griechenland hat 340 Milliarden Euro Schulden. 170 Milliarden Euro davon könnten den Gläubigern abgekauft werden“, sagte Mayer dem „Weser-Kurier“ (Samstag). Sie bekämen dafür Anleihen des Europäischen Rettungsfonds ESFS im Verhältnis zwei zu 1. „Dann müssten noch 20 bis 30 Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um das griechische Bankensystem abzuwickeln oder zu stabilisieren“, erläuterte Mayer. „Das bedeutet: Mit rund 200 Milliarden Euro ist das Problem glatt gestellt“, ergänzte er.

Für die Griechen bedeute das, dass sie über einen Zeitraum von zehn Jahren keine neuen Schulden machen dürften, in dem sich das Land umstrukturieren könnte, um wieder wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu werden. „Bei jedem Erfolg der griechischen Volkswirtschaft wird die Schuld reduziert. Und wenn die Griechen bei den aufgekauften 170 Milliarden Euro sind, wären sie wieder marktfähig und könnten selbst Geld aufnehmen“, sagte Mayer weiter. Dann wären keine Inspektoren nötig, die der Regierung in Athen Vorschriften machten. „Es wäre wie bei einem Privatmann, der seine Kreditkarte verliert: Er muss sehen, dass die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen. Und zwar völlig souverän.“

Der Chefvolkswirt des größten deutschen Bankhauses kritisierte auch das Vorgehen der Europäischen Zentralbank. „Die EZB sollte sich auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist: Preisstabilität. Sie sollte sich aus der Finanzierung von Staaten heraushalten und auch aufhören, den Regierungen Ratschläge zu erteilen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Bank: Griechenland-Umschuldung kostet 200 Milliarden Euro"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Herr Mayer scheint die Diskussion über die Rolle der EZB nicht richtig verfolgt zu haben. Seit Monaten machen die Politiker der EURO-Staaten Druck auf die EZB. Der massenhafte Ankauf von griechischen Staatsanleihen ist doch eine Idee der Euro-Politiker.
    Wie wäre es, wenn stattdessen Mal die Deutsche Bank Verantwortung übernimmt?

  • Schon der Laie wundert sich bei dieser Rechnung: Ein Schuldenschnitt von 50% kostet natürlich weniger als die Hälfte der aktuellen Verschuldung, da die aktuellen Anleiheinhaber diese niemals zu 100% gekauft haben. Viele haben sich längst getrennt und damit Verluste realisiert. Bewerbe mich bei daresearch.

  • An mito1:
    Es gibt eine bestimmte Anzahl von Kleinanlegern, die Griechenanleihen gekauft haben, als deren Kurs im Vertrauen auf eine EU-Land-Staatsanleihe bei 100 lag. Es geht also nicht um die Spekulanten, die erst später bei hohen Renditen eingestiegen sind. Die erste Gruppe von Kleinanlegern sollte im Fall einer Umschuldung unter besonderen Schutz gestellt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%