„Deutsche Brille“
Gefangen in der eigenen Logik

Da wird getrickst und gelogen: Putin lenkt uns mit Hilfskonvois ab, während er gleichzeitig Waffen in die Ukraine schickt. Assad testet derweil Obamas rote Linie. Deutsche Politiker verstehen oft die Welt nicht mehr.
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Berlin Nach mehr als einem halben Jahrhundert Frieden und Wohlstand erscheinen vielen Deutschen die aktuellen Konflikte vom Irak bis in die Ukraine archaisch und irgendwo auch unbegreiflich. Unvernunft, Fanatismus und blindes Machtstreben, wohin man auch blickt. Vielen Politikern geht es ähnlich, vor allem jenen, die in Westdeutschland aufgewachsen sind. Gelegentlich sieht es aus, als verstünden sie die Welt nicht mehr. „Mangelnde Fähigkeit zur Perspektivenübernahme“, heißt das im Fachjargon der Psychologen.

Werden sie von ausländischen Staatschefs angelogen oder von vermeintlichen Verbündeten hintergangen, reagieren deutsche Amtsträger oft fassungslos. Zu den Gesprächen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Krise in der Ost-Ukraine bemerkte Regierungssprecher Steffen Seibert kürzlich spitz: „Man kann nicht übersehen, dass manches, was in Gesprächen angekündigt wurde, nicht umgesetzt wurde.“

Der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, kündigte an, angesichts eines drohenden Rückfalls in Verhaltensmuster aus dem Kalten Krieg wolle das Auswärtige Amt nun darauf hinwirken, „dass endlich Vernunft einkehrt“.

„Menschenrechte, Demokratie und Freiheit – wir haben diesen Wertekanon hier in Deutschland schon so verinnerlicht, dass wir manchmal gar nicht mehr nachvollziehen können, wenn andere diese Werte nicht teilen“, stellt der Psychologe Vitalij Spak fest, der Unternehmen, Politiker und Behördenvertreter berät. Der gebürtige Ukrainer rät ihnen, für den Umgang mit Akteuren aus anderen Kulturkreisen ihre Fähigkeit zur Perspektivenübernahme zu schulen.

So mag das Adjektiv „undemokratisch“ in Deutschland als Schimpfwort gelten. In den arabischen Golfmonarchien, über deren Belieferung mit Waffen in Berlin jetzt wieder heftig gestritten wird, kann man damit jedoch keinen Staatschef beleidigen.

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