Deutsche im Irak entführt
Bangen um eine „missionarische Helferin“

Eine 43 Jahre alte Deutsche ist im Irak in die Hände unbekannter Kidnapper geraten. Vertraute beschreiben sie als „missionarische Helferin“, die Land und Leute „fanatisch“ liebe. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Geiselnehmer eindringlich zur Freilassung von Susanne Osthoff auf.

HB BERLIN/GLONN. Merkel sagte am Dienstag in Berlin: "Alle Bemühungen der Bundesregierung sind darauf gerichtet, die körperliche Unversehrtheit und das Leben der Betroffenen zu schützen". Die Regierung verurteile die Tat aufs schärfste und setzte sich mit aller Kraft für die Freilassung der Deutschen und ihres Fahrers ein. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes stehe mit allen relevanten Stellen in Kontakt, um das Schicksal der Entführten zu klären. Merkel erklärte, sie habe sich selbst vom Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes am Vormittag über den Fall informieren lassen. Die CDU-Chefin sprach den Angehörigen und Freunden der Geiseln ihr Mitgefühl aus.

Die verschleppte Susanne Osthoff war bis Mai in der oberbayerischen Gemeinde Glonn gemeldet. Der Bürgermeister des 4500-Einwohner-Ortes, Martin Esterl, sagte, dann habe sie sich abgemeldet. Die 43-Jährige habe eine elfjährige Tochter, der Vater sei Araber. Esterl erzählte, er habe die Frau vor einem Jahr kennen gelernt, als sie einen Hilfstransport in den Irak organisierte. "Sie war missionarisch davon erfüllt zu helfen".

Mutter der Entführten sagte dem Sender N24, sie sei am frühen Dienstagmorgen vom Auswärtigen Amt informiert worden. Ihre Tochter, mit der sie seit fünf Jahren keinen Kontakt habe, habe Medikamente und medizinische Geräte in den Irak geliefert. Ihre Tochter sei Archäologin für dieses Gebiet. "Sie liebt die Leute, die Kultur, und ist richtig fanatisch", sagte die Mutter. Osthoff spricht fließend arabisch und beherrscht mehrere irakische Dialekte.

In einem der ARD zugespielten Video fordern die Entführer Deutschland nach Angaben des Senders auf, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Andernfalls würden die Frau und ihr ebenfalls verschleppter Fahrer getötet. Auf dem Band werde ein knappes Ultimatum genannt. Bein den Geiselnehmern handele es sich um eine organisierte Gruppe, deren Forderungen politisch motiviert seien. Das Videoband sei dem Büro der Sendeanstalt in Bagdad zugespielt worden. In Absprache mit dem Auswärtigen Amt, halte die ARD weitergehende Informationen zurück, um das Leben der Frau und ihres irakischen Begleiters zu schützen.

Der Sender strahlte das Band nicht aus, veröffentlichte jedoch ein Standbild. Darauf ist kniende Person zu sehen, die als die entführte Frau identifiziert wurde. Neben ihr sitzt demnach ihr Fahrer, offenbar mit gesenktem Kopf und den Händen auf dem Rücken. Beide haben die Augen verbunden. Um sie herum stehen drei vermummte Männer mit Waffen. Einer davon scheint etwas von einem Blatt abzulesen. Im Hintergrund ist nur eine helle, konturlose Fläche wie eine Wand zu sehen.

Im Irak sind seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen immer wieder Ausländer einführt worden - ein Teil von Kriminellen, die Lösegeld erpressen wollten. Zuletzt wurde am Wochenende die Verschleppung von zwei Kanadiern, einem US-Bürger und einem Briten bekannt. Nicht in allen Fällen liegt ein Bekennerschreiben oder -video vor. Von den ausländischen Geiseln ist die Tötung von 52 bekannt, davon 41 im Jahr 2004 und elf 2005.

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