Deutsche Irak-Geiseln: Terrorexperten sehen Lage ernster als bei Osthoff

Deutsche Irak-Geiseln
Terrorexperten sehen Lage ernster als bei Osthoff

Die Lage der im Irak entführten beiden deutschen Ingenieure hat sich dramatisch zugespitzt. Das zweite Lebenszeichen der Leipziger sandten ihre Kidnapper als Todesdrohung. Terrorismusexperten schätzen die Lage noch gefährlicher ein als bei Susanne Osthoff. Dagegen gibt es Parallelen zur verschleppten US-Journalistin Jill Carroll.

HB BAGDAD. Als Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin vor die Mikrofone trat, war ihm die Anspannung anzumerken. Kaum mehr als zwölf Stunden waren vergangen seit der arabische Fernsehsender al-Dschasira am Dienstagabend ein neues Video der beiden entführten Deutschen im Irak ausgestrahlt hatte.

Das zweite Lebenszeichen von René Bräunlich und Thomas Nitzschke war mit einem Ultimatum und einer Todesdrohung verbunden. „Die Lage entwickelt sich auch nach unserer Beurteilung ernst", sagte Steinmeier. Wie dramatisch sie zu diesem Zeitpunkt genau war, blieb unklar. Steinmeier sagte nichts dazu, wann das 72-Stunden-Ultimatum der Entführer ausläuft. Das Videoband ist auf den 29. Januar datiert. Steinmeier zufolge ist es „Zeugnis einer menschenverachtenden Tat“.

Die Kidnapper drohten in dem ausgestrahlten Video mit der Enthauptung der beiden Leipziger Ingenieure. Sie forderten die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak und das Ende der Zusammenarbeit zwischen der Regierung in Berlin mit der irakischen Übergangsregierung.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes wertete das neue Video am Mittwoch fieberhaft aus. „Wir alle sind natürlich berührt und schockiert von den Bildern“, sagte der Minister. Auf dem Band sind vier schwer bewaffnete und maskierte Täter hinter den beiden Leipzigern zu sehen. Einer der Geiselnehmer verliest einen Text. Die Szene wirkt diesmal bedrohlicher als in dem ersten Video.

Bräunlich und Nitzschke waren am Dienstag vor einer Woche in der nordirakischen Stadt Baidschi verschleppt worden, nur zwei Tage nach ihrer Ankunft. Ihr Aufenthalt war nur für fünf bis sechs Tage geplant. Sie sollten das Aufstellen einer Stickstoffanlage begleiten, von deren Lieferung sich ihre Firma Cryotec Anlagenbau weitere Aufträge erhoffte.

Nahost-Kenner schätzen die Entführung von Bräunlich und Nitzschke noch gefährlicher ein als die von Susanne Osthoff. Dem Fernsehsender N24 sagte ein Irak-Experte, bei den Entführern, die sich „Brigaden der Anhänger der göttlichen Einheit und des Beispiels des Propheten“ nennen, könnte es sich um eine Unterorganisation des Terrornetzwerks El Kaida handeln. Bei Osthoff seien die politischen Forderungen vorgeschoben worden. Den Entführern sei es um Geld gegangen. Nach einer vorläufigen Einschätzung der Bundesregierung ist eine eindeutige Zuordnung der Entführer von Bräunlich und Nitzschke nicht möglich.

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