Deutsche und französische Minister tagen zusammen
Die verordnete Partnerschaft

Keine Frage, Körperkontakt hat Hochkonjunktur in der internationalen Politik. Wer hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in den vergangenen Wochen nicht alles an den Oberarm gepackt, um nach wirklich oder vermeintlich beigelegten Konflikten Vertraulichkeit zu demonstrieren.

BERLIN. Der stets auch in Bildern denkende Medien-Kanzler stand deshalb am Donnerstag vor der schwierigen Aufgabe: Wie sollte er dies noch überbieten? Schließlich stand der Besuch seines engsten Partners, des französischen Präsidenten Jacques Chirac an. Und alle Welt sollte anlässlich der gemeinsamen Sitzung der Kabinette doch sehen, wie sehr der deutsch-französische Motor im Gleichklang läuft.

Eine herzliche Umarmung musste es deshalb schon sein, die vergessen ließ, dass beide Männer vor wenigen Monaten noch eine gepflegte Abneigung einte. Und als ob es damit noch nicht genug sei, nahm Schröder Chirac vor laufender Kamera auch noch in die Familie auf: Von seinem Sprecher ließ er sich das Handy reichen, klingelte Ehefrau Doris an, nur damit Chirac für alle Welt ein „Alles klar?“ in Gerät grinsen konnte. Schließlich hatte Schröder schon im vergangenen Jahr in Schwerin gescherzt, dass seine Frau noch öfter mit dem französischen Staatspräsidenten telefoniere als er selbst. Und an der Spitze der Regierung hat man die neue Nähe so verinnerlicht, dass auch Tochter Klara mittlerweile Französisch lernen soll.

Für die zwei Dutzend Minister, die sich später im Kanzleramt erst zum gemeinsamen Essen mit Flusskrebs und Lamm-Rücken und später zur gemeinsamen Ministerratsitzung versammelten, war dies Warnung genug: Das deutsch-französische Zusammenrücken ist so energisch von der Spitze angeordnet, dass man lieber seine eigene Vorliebe für das Partnerland entdeckt. Dabei war bekennende Frankophilie im rotgrünen Kabinett bisher gar nicht sehr weit verbreitet. Innenminister Otto Schily etwa galt eher als klarer Fan nicht nur Italiens, sondern auch der USA. Und Sprachkenntnisse des „partenaire numéro un“ sind nicht weit verbreitet.

Doch wer heute in den Ministerien herumfragt, bekommt immerhin den Hinweis, dass der ein oder die andere an sich arbeite. Dies gilt besonders für die beiden neuen Regierungs-Beauftragten für die bilateralen Beziehungen, Hans Martin Bury und Noëlle Lenoir. Beide büffelten im Sommer fleißig Vokabeln.

Pädagogisch, wie das Kanzleramt manchmal sein kann, hat es angesichts der Sprachprobleme die binationale Ministerrunde deshalb in der gemeinsamen Sitzung im Internationalen Konferenzsaal einfach wild am Tisch gemischt: Tuscheln nur mit deutschen Kollegen war unerwünscht, flüstern mit dem französischen bzw. deutschen Gegenpart dagegen erlaubt. Doch ganz konnte das Protokoll die deutsch-französische Gemeinschaftsdemonstration nicht steuern. Im kleinen Kreis behalfen sich die meisten Minister nämlich bei der Verständigung sehr unkonventionell - mit Englisch.

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