Deutsche verlassen das Land: Erbitterte Straßenkämpfe um die Macht im Tschad

Deutsche verlassen das Land
Erbitterte Straßenkämpfe um die Macht im Tschad

In der tschadischen Hauptstadt N'Djamena liefern sich Regierungstruppen und Rebellen erbitterte Straßenkämpfe. 1 000 bis 1 500 Kämpfer stießen am Samstag nach einem dreitägigen Marsch von Osten kommend in die Stadt vor. Die ersten Deutschen verließen mit französischer Unterstützung das Land.

HB NAIROBI/PARIS. Trotz des Einsatzes von Panzern und Kampfhubschraubern gelang es den Regierungstruppen zunächst nicht, die Angreifer zurückzuschlagen. Nach einer nächtlichen Pause flammten die Kämpfe am Sonntag neu auf.

Die ersten Deutschen verließen mit französischer Unterstützung das Land. Das teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin am Sonntag auf Nachfrage mit. Das Außenamt beobachte die Situation weiter mit größter Aufmerksamkeit und sei auf weitere Evakuierungen vorbereitet. Nach dem Vorrücken von Rebellen auf die Hauptstadt hatten die französischen Streitkräfte in der Nacht zum Sonntag begonnen, Ausländer aus dem Tschad nach Gabun auszufliegen. In N'Djamena wurden Sammelplätze eingerichtet, an denen rund 900 Ausländer zusammenkamen.

„Niemand kann sagen, wer gewinnen wird“, sagte der französische Militärsprecher in N'Djamena, Hauptmann Christophe Prazuck. Als ehemalige Kolonialmacht unterstützt Frankreich die Regierung von Präsident Idriss Deby militärisch. Dieser sei in seinem Palast eingeschlossen, sagte Rebellensprecher Mahamat Hassane Boulmaye. Die Regierungstruppen hätten bei den Kämpfen hohe Verluste erlitten und seien bereits geschwächt.

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin sprach von einer entscheidenden Phase der Kämpfe. Deby habe 2 000 bis 3 000 Mann unter seinem Befehl. Frankreich hat etwa 1.400 Soldaten im Tschad, darunter 1 200 in der Hauptstadt. Allerdings vermeidet es Paris mit Rücksicht auf eine geplante EU-Friedenstruppe offenbar, direkt zu intervenieren.

Der Tschad wird seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 immer wieder von Bürgerkriegen heimgesucht. Seit der Entdeckung umfangreicher Ölvorkommen haben sich die Konflikte weiter zugespitzt. Erst 2006 scheiterte eine Rebellenoffensive gegen Deby, der 1990 an der Spitze einer Militärrevolte an die Macht kam. Bei den jetzt in die Hauptstadt eingedrungenen Rebellen handelt es sich um ein Bündnis von drei Organisationen. Die größte ist die erst Ende 2006 gegründete Union der Kräfte für Demokratie und Entwicklung (UFDD) unter der Führung des ehemaligen Offiziers Mahamat Nouri.

Zu den Hintergründen des Aufstands gehört neben internen Spannungen in den Streitkräften auch der Konflikt in der sudanesischen Region Darfur. Die Rebellen werfen Präsident Deby vor, die Rebellen in Darfur nicht genügend zu unterstützen, obwohl diese Debys Stamm, den Zaghawa, angehören. Die Afrikanische Union (AU) erklärte auf ihrem Gipfel in Addis Abeba, sie werde eine von den Rebellen gebildete Regierung im Tschad nicht anerkennen. Sie rief den libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi und den Präsidenten von Kongo-Brazzaville, Denis Sassou-Nguesso, auf, ein Friedensabkommen herbeizuführen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%