Deutsche Vertretung in Khartum gestürmt
Demonstranten attackieren westliche Botschaften

Nach dem Freitagsgebet machen Tausende in islamischen Ländern ihrer Wut über das Antiislam-Video Luft. In Khartum stürmten Demonstranten die deutsche Botschaft, in Tunis gibt es Tote bei der Erstürmung der US-Vertretung.

TeheranIn der sudanesischen Hauptstadt Khartum sind einige Tausend aufgebrachte Demonstranten auf die deutsche und die britische Botschaft angestürmt. Zeitweise nahmen sie das Gebäude der deutschen Vertretung ein, steckten ein Auto und Mülltonnen in Brand und holten die deutsche Flagge vom Dach. Kurz darauf wurden sie jedoch von der Polizei mit Tränengas wieder aus dem Botschaftsgelände vertrieben. Außenminister Guido Westerwelle erklärte in Berlin, Teile der Botschaft seien in Brand gesetzt worden, die Beschäftigten seien jedoch bereits zuvor in Sicherheit gebracht worden.

Der britische Sender BBC berichtet, ein Teil der Demonstranten habe sich nach dem Sturm auf die deutsche Botschaft mit Bussen und Lastwagen auf den Weg zur US-Botschaft gemacht. Später stürmte eine Gruppe von Demonstranten auch in Tunis die US-Botschaft. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und mindestens 28 Menschen verletzt, wie die Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf vorläufige Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums berichtete.

Auch in Ägypten, Jemen und Iran gehen die Proteste gegen einen Schmäh-Film aus den USA über den Propheten Mohammed weiter. In Kairo bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte stellten sich den aufgebrachten Menschen in den Weg, um die wie eine Festung bewachte US-Botschaft zu schützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Vorgänge. „Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen“, so Merkel. In Erwartung weiterer Unruhen nach den Freitagsgebeten blockierten Sicherheitskräfte auch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa die Straßen zur US-Botschaft. Wegen der Proteste verschärfte das Auswärtige Amt die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern.

Die Botschaftsangehörigen im Sudan befänden sich derzeit in Sicherheit. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes tage und stehe in Kontakt mit der Botschaft. Am Freitagabend telefonierte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit seinem sudanesischen Amtskollegen Ali Karti. Westerwelle verurteilte dem Auswärtigen Amt zufolge die Attacke auf das Botschaftsgebäude. Er habe auch „die umgehende und umfassende Sicherung“ der diplomatischen Vertretung verlangt.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sicherheit“, hatte Westerwelle zuvor gesagt. Dies habe ihm der deutsche Botschafter in Khartum versichert. Er verurteilte das Schmähvideo gegen den Propheten Mohammed aufs Schärfste, machte aber klar, dass das Video die Angriffe auf die Botschaft keinesfalls rechtfertigten. Von der sudanesischen Regierung verlangte er, die Sicherheit der Botschaft und deren Integrität wiederherzustellen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Angriff. „Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen“, so Merkel.Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Angriff. „Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen“, so Merkel.

Auch in den muslimisch geprägten Ländern Südasiens haben nach den Freitagsgebeten mehrere tausend Gläubige weitgehend friedlich gegen ein antiislamisches Schmähvideo aus den USA protestiert. In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka skandierten rund 10 000 Demonstranten antiamerikanische Sprechchöre. Auch eine US-Flagge ging in Flammen auf. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und verhinderte, dass die Menschen bis zur US-Botschaft ziehen konnten.

In Kairo versuchten die Sicherheitskräfte, die Demonstranten mit Tränengas zurückzudrängen. Zudem warfen sie Steine zurück. Die Straßen zur US-Botschaft wurden mit Betonblöcken gesperrt. Auf einem Spruchband war zur lesen: "Es ist die Pflicht aller Muslime und Christen, Morris Sadek und Sam Bacile und jeden, der bei dem Film mitgemacht hat, zu töten". Das in den USA produzierte Amateur-Video stellt den Propheten Mohammed als Homosexuellen, Kinderschänder und Schürzenjäger dar.

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