Deutsche Winzer besorgt
EU will Weinmarkt grundlegend aufmischen

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch einen ehrgeizigen Fünf-Jahres-Plan vorgelegt, um die Weinproduktion in der Europäischen Union zu drosseln und die Branche international wettbewerbsfähiger zu machen. Durch den Abbau bisheriger Subventionen soll die EU kräftig sparen.

HB BRÜSSEL. Agrar-Kommissarin Mariann Fischer Boel will die bisherigen Finanzhilfen für die Destillation der Überschussproduktion in Höhe von jährlich rund 700 Mill. Euro streichen. Einem am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Vorschlag zufolge will sie stattdessen den Winzern Anreize geben, den Weinbau aufzugeben. Das Maßnahmenpaket zielt darauf ab, die Überproduktion von billigen Tafelweinen vor allem im Süden der EU zu stoppen und die Winzer angesichts zunehmenden Drucks der überseeischen Mitbewerber konkurrenzfähiger zu machen.

Die Kommission will es auch verbieten, den Alkoholgehalt des Weines durch den Zusatz von Zucker zu erhöhen. Die bisher gezahlten Subventionen für Traubensaftkonzentrat, das weiterhin zur Anhebung des Alkoholgehalt verwendet werden darf, sollen gestrichen werden. Besonders betroffen wären dadurch die deutschen Winzer, die bisher wegen des oft schlechteren Wetters den Alkoholgehalt durch die Zugabe von Rübenzucker um bis zu 3,5 Prozent anheben dürfen.

Weinbauern, die die Produktionsfläche aufgeben, sollen Prämien bekommen. In einem Fünf-Jahres-Programm sind alleine im ersten Jahr dafür 430 Mill. Euro vorgesehen. Damit soll die Rebfläche von derzeit 3,6 Mill. Hektar um 200 000 Hektar verringert werden. Das ist die Hälfte der ursprünglich von der Kommission geplanten Stilllegung. Ab 2013 sollen jedoch bisherige Pflanzungsbeschränkungen wegfallen. Der Kommissionsvorschlag, der nun vom Ministerrat und vom Europaparlament beraten werden muss, sieht auch Geld vor, das die Mitgliedstaaten nach nationalen Gesichtspunkten ausgeben können.

Der Kampf der EU-Kommission gegen die Überproduktion auf dem europäischen Weinmarkt hat bei deutschen Winzern große Besorgnis und Protest ausgelöst. „Die Kommission hat ein völlig falsches Verständnis von Wein, sie denkt an Großindustrie bei Wein und nicht an die familienbäuerlichen Betriebe“, sagte der Präsident des Deutschen Weinbauverbands, Norbert Weber, am Mittwoch im ZDF. „Brüssel verwirrt die Konsumenten“, sagte zudem der Generalsekretär des Weinbauverbands, Rudolf Nickenig, der „SZ“. Er warnte vor „großen wirtschaftlichen Schäden“ für die deutschen Winzer.

Verbandspräsident Weber sagte im ZDF, es gebe in Europa nur eine Überproduktion bei Tafelweinen, nicht bei Qualitätsweinen. „In Deutschland werden nur Qualitätsweine erzeugt.“ Die Kommission habe die Vorschläge der Branche für eine bessere Finanzierung nicht aufgenommen. Seiner Ansicht nach sollten nicht Gebiete bestraft werden, „die den Markt in Ordnung haben“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%