International
Deutscher LKW unter zypriotischer Flagge

Harter Preiskampf macht Spediteure erfinderisch

AXEL GRANZOW, DÜSSELDORF
HANDELSBLATT,  

Hubertus Kobernuss kann sich vor Anfragen kaum noch retten. Seitdem der Fuhrunternehmer aus dem niedersächsischen Uelzen die Ausflaggung eines Teils seines Fuhrparks nach Zypern angekündigt hat, steht bei ihm das Telefon nicht mehr still. Seine Spediteurskollegen wollen wissen, wie er es anstellt, als deutscher Transporteur zu osteuropäischen Kosten zu fahren. Der Mittelständler hat ein legales Schlupfloch gefunden, um seinen Kunden auch nach dem Beitritt der neuen EU-Länder internationale Transporte zu günstigen Preisen anbieten zu können.

Im reinen Transportgeschäft auf grenzüberschreitenden Routen tobt seit der EU-Erweiterung ein mörderischer Preiskampf, dem immer weniger deutsche Betriebe gewachsen sind. Gegen den niedrigen Lohnkostenvorteil der osteuropäischen Konkurrenz kommen vor allem kleine Spediteure nicht mehr an.

Doch Kobernuss hat einen Ausweg gefunden: Was in der Seeschifffahrt schon lange üblich ist - deutsche Schiffe etwa unter philippinischer Flagge und mit Philippinos fahren zu lassen - ist nach der EU-Osterweiterung auch im Brummi-Gewerbe ganz legal möglich.

Wer seinen Fuhrpark in Malta, Zypern und Slowenien anmeldet, profitiert von Arbeitnehmerfreizügigkeit und der so genannten Kabotagefreiheit in Europa. Im Gegensatz zu ihren Kollegen aus den übrigen Beitrittsländern dürfen Transporteure aus den drei genannten Staaten ihre Dienste nämlich auch im innerdeutschen Verkehr anbieten. Ein in Malta zugelassener LKW darf also etwa Güter von Hamburg nach München transportieren, ein polnischer dagegen nicht. Mit Hilfe der Ausflaggung können deutsche Fuhrbetriebe so billigere osteuropäische Fahrer auch im heimischen Güterverkehr einsetzen.

Bei den EU-Beitrittsverhandlungen sei schlichtweg vergessen worden, die Übergangsregelungen für den Einsatz von Fahrern aus den Beitrittsländern im deutschen und internationalen Güterverkehr auf Malta, Zypern und Slowenien auszudehnen, schimpft Dirk Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag. Er will das Thema zum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage machen.

Den deutschen Transporteuren bleibt scheinbar keine Wahl, als Kobernuss? Beispiel zu folgen: Der Anteil osteuropäischer LKW am Ost-West-Verkehr sei auf weit über 90 Prozent gestiegen, sagt Eric Heymann, Verkehrsanalyst der Deutschen Bank. Industrie und Handel profitierten von niedrigeren Preisen in der Größenordnung von 15 bis 20 Prozent, so Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistik-Verbandes. Wegen geringerer Löhne, Dieselpreise und Steuern sind die osteuropäischen Anbieter in der Regel 20 bis 25 Prozent billiger als ihre Konkurrenten aus der alten EU.

Für große deutsche Spediteure wie Kühne & Nagel oder DHL, die Logistiktochter der Deutschen Post, hat die EU-Osterweiterung dagegen kaum Auswirkungen: Sie seien bereits mit Tochtergesellschaften in den neuen Ländern tätig und könnten deshalb osteuropäische Fahrer einsetzen, so Rogge. An neun der zehn größten Spediteure in Polen sind deutsche und niederländische Firmen zum Beispiel über Joint-Ventures maßgeblich beteiligt.

Verkehrspolitiker befürchten indessen bereits eine Kündigungswelle unter hiesigen Brummi-Fahrern, sollte die Ausflaggung sich verbreiten. Doch Kobernuss versteht die Aufregung nicht. Er will nur zusätzliche Lastwagen in Zypern zulassen und ausschließlich im internationalen Verkehr einsetzen, wo er nach der EU-Erweiterung nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Mit zehn Brummis will der Unternehmer anfangen, in seinem Fuhrpark zählt er insgesamt 70 Laster. "Durch den Einsatz osteuropäischer Fahrer spare ich allein bei den Personalkosten zwischen 25 000 bis 30 000 Euro jährlich pro Fahrzeug."

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