Deutschland besetzt die unrühmliche Spitze
Defizitkrise verschärft sich weiter

Die Neuverschuldung in der Eurozone ist 2002 im Durchschnitt auf 2,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach 1,6 % im Jahr zuvor gestiegen, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg mitteilte.

HB LUXEMBURG. In Brüssel wird damit gerechnet, dass das Haushaltsdefizit in den zwölf Euro-Ländern im laufenden Jahr zusammen vermutlich den Grenzwert von 3,0 % überschreiten wird.

Defizit-Sünder Deutschland erreichte nach den revidierten Eurostat-Zahlen für 2002 einen Rekordwert von 3,5 % vom BIP. Eurostat hatte im März noch von 3,6 % vom BIP für Deutschland berichtet. Frankreich kam auf ein Defizit von 3,1 %, Portugal auf 2,7 % und Italien auf 2,3 %.

Nur Luxemburg und Finnland erzielten nennenswerte Haushaltsüberschüsse. In der gesamten EU mit 15 Staaten betrug das durchschnittliche Defizit 1,9 % vom BIP - ein ganzer Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor.

Die Staatsschuld Deutschlands lag 2002 mit 60,8 % vom BIP nach 59,5 % zuvor knapp über dem Grenzwert von 60 %, berichtete Eurostat. Auch Belgien, Italien, Griechenland und Österreich verzeichneten gesamtstaatliche Schuldenstände über der 60-Prozent-Marke.

Eurostat berichtigte unter anderem den Wert der Neuverschuldung Österreichs von zunächst 0,6 % auf 0,2 %, da die Steuereinnahmen höher waren als angenommen.

Deutschland und Frankreich werden in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge die Defizit-Höchstgrenze übertreffen. Deutschland wird voraussichtlich ein Haushaltsdefizit von 3,8 % des BIP haben. Bei Frankreich wird es schätzungsweise 4 % betragen, hatte es am Wochenende beim EU-Finanzministertreffen im italienischen Stresa geheißen. Ökonomen erwarten, dass die Defizite in beiden Ländern auch 2004 größer als die höchstens erlaubten 3 % sind. Gegen beide Länder laufen bereits EU-Strafverfahren, bei denen in letzter Konsequenz hohe Geldbußen von bis zu 0,5 % des BIP drohen. Im Falle Deutschlands wären dies bis zu zehn Mrd. €.

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