Deutschland-Besuch
Putin in Dresden mit „Mörder“-Rufen empfangen

Der Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin verfolgt Präsident Wladimir Putin selbst bei seinem Deutschland-Besuch: In Dresden wurde Putin von Demonstranten mit „Mörder“-Rufen und entsprechenden Transparenten bedacht.

HB DRESDEN. Als die Wagenkolonne des Präsidenten in der Dresdner Altstadt vor dem Schloss eintraf und Putin ausstieg, schallten ihm auch „Mörder - Mörder“ Rufe entgegen. Ein Demonstrant hielt zudem ein Pappschild mit der Aufschrift in die Luft: „Mörder - du bist hier nicht mehr willkommen“.

Politkowskaja war am Sonnabend in Moskau ermordet worden. Die auch von der Bundesregierung scharf verurteilte Tat überschattet den Deutschlandbesuch Putins, dessen Regierung wiederholt wegen ihrer Einflussnahme auf die Medien in die Kritik geraten ist.

Vor dem Dresdner Kongresszentrum, wo Putin und Kanzlerin Angela Merkel am Nachmittag am „Petersburger Dialog“ teilnehmen wollen, versammelten sich rund 30 Demonstranten der Gesellschaft für bedrohte Völker zu einer Protestkundgebung gegen Putin. Wenn Putin nicht rasch für umfassende Aufklärung des Mordes an Politkowskaja sorge, erhärte sich der Verdacht, dass russische Geheimdienste ihre Hände dabei im Spiel gehabt hätten, die schärfste Regimekritikerin aus dem Weg zu räumen, erklärte der Vorsitzende der Menschenrechtsgruppe, Tilman Zülch.

Auf Plakaten wurde auch gegen die Tschetschenien-Politik Russlands und gegen das Sponsoren-Engagement des staatlichen Gasmonopolisten Gazprom beim Bundesliga-Club Schalke 04 protestiert. Es sei zutiefst beschämend, dass der Fußball-Verein Gazprom zum Hauptsponsor gemacht habe. In Putins Auftrag sei das Unternehmen durch Aufkauf maßgeblich an der Gleichschaltung der russischen Medien beteiligt gewesen, sagte Zülch.

Putin wurde am Nachmittag vor dem Dresdner Schloss von Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt. Zusammen wollten die beiden das Grüne Gewölbe besichtigen, die erst kürzlich wiedereröffnete Barock-Schatzkammer. Im weiteren Verlauf des Nachmittags sind dann politische Gespräche zwischen Merkel und Putin vorgesehen sowie die Teilnahme am deutsch-russischen Forum „Petersberger Dialog“. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte angekündigt, dass Merkel dabei die Einhaltung demokratischer Grundwerte in Russland anmahnen und ein Signal für Meinungsfreiheit setzen werde.

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