Deutschland-Besuch
Wirtschaft hofft auf Reformer Medwedjew

Russlands Präsident kommt zum Antrittsbesuch nach Deutschland – und wird von der Industrie hofiert. Denn trotz aller politischen Spannungen sind die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen derzeit so gut wie nie zuvor. Doch wohin Medwedjew das Riesenreich wirtschaftspolitisch steuert, ist noch genauso unklar wie die Rolle von Vorgänger Putin.

MOSKAU. Wenn Russlands neuer Präsident heute vor die über 700 Gäste im Berliner Hotel Interconti tritt, kann er mit einem freundlichen Empfang rechnen. Zu der Vortragsveranstaltung, bei der Dmitrij Medwedjew vor der versammelten Wirtschaftsprominenz seine erste große außenpolitische Rede halten wird, hat unter anderem der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft eingeladen. Und dessen Vorsitzender Klaus Mangold hält große Stücke auf den neuen Kreml-Herrn: Medwedjew sei ein Politiker, den man nicht unterschätzen dürfe. Und die deutsche Wirtschaft setze große Hoffnungen in ihn .

Dass der russische Staatschef zu seinem ersten Antrittsbesuch in einem westlichen Land ausgerechnet nach Deutschland kommt, ist kein Zufall: Trotz aller Klagen über Bürokratie, Korruption und den wachsenden Einfluss des Staates – die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen sind derzeit so gut wie nie zuvor. Russland ist für Deutschland der am schnellsten wachsende Exportmarkt. Allein im ersten Quartal stiegen die deutschen Ausfuhren um rund 26 Prozent. 2007 erreichten die Exporte einen Umfang von 28,2 Mrd. Euro. Mit derzeit 15 Mrd. Euro ist Deutschland zudem der größte industrielle Investor aus dem Ausland. Der Ostausschuss erwartet, dass 2008 weitere zwei Mrd. Euro nach Russland fließen.

Andersherum steht Deutschland auch bei russischen Firmen hoch im Kurs, weiß Mangold. Gut vier Prozent aller russischen Auslandsinvestitionen fließen nach Deutschland.

Mit Freude hat die Wirtschaft auch die regen politischen Kontakte seit dem Führungswechsel in Moskau Anfang Mai registriert. Bundeskanzlerin Angela Merkel war die erste ausländische Regierungschefin, die Medwedjew nach seiner Wahl traf, Außenminister Frank-Walter Steinmeier der erste Politiker aus dem Ausland, der dem frisch gekürten Präsidenten die Hand schütteln durfte. Beide wird er heute in Berlin erneut treffen. Medwedjew werde Deutschland eine wichtige Rolle in seiner Außenpolitik einräumen, erwartet deshalb der Koordinator für die deutsch-russischen Beziehungen, Andreas Schockenhoff (CDU).

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