„Deutschland deutlich unterrepräsentiert“
Bundesbankpräsident Weber mahnt Härte im IWF an

Bundesbankpräsident Axel Weber hat davor gewarnt, vorzeitig zugunsten von Schwellenländern eine Schmälerung von Kapitalanteilen und Stimmrechten der EU-Länder am Internationalen Währungsfonds (IWF) in Aussicht zu stellen.

FRANKFURT. „Es muss ein Gesamtpaket für eine transparente und faire Repräsentanz aller IWF-Mitgliedsländer gefunden werden. Dabei sollten nicht schon im Vorfeld berechtigte eigene Positionen und Ansprüche der EU-Länder zur Disposition gestellt werden", sagte Weber anlässlich der bevorstehenden Jahrestagung von IWF und Weltbank im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Deutschland sei bei seinem Anteil am Fonds von rund sechs Prozent derzeit um 0,9 Prozentpunkte deutlich unterrepräsentiert. Quoten und Stimmrechte sowie die Überwachungstätigkeit des IWF stehen im Zentrum der diesjährigen Herbsttagung, die vom 15. bis 20. September in Singapur stattfindet. Beide Themen sind Teil der Reform der Bretton-Woods-Organisation. Der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (IMFC) hatte IWF-Chef Rodrigo de Rato im Frühjahr das Mandat erteilt, in Singapur konkrete Vorschläge zur Reform der Kapitalanteile oder Quoten der 184 IWF-Mitgliedstaaten vorzulegen.

Der IWF entspricht damit dem Wunsch vieler seiner Mitglieder, die ihre Anteile am Fonds für unangemessen niedrig halten: Die Schwellenländer mit hohem Wachstum sehen ihr größeres Gewicht nicht ausreichend repräsentiert, allen voran China mit einem Minus von 2,2 Prozentpunkten. Die ärmeren Entwicklungsländer sind unzufrieden, weil die Quotenberechnungen für sie seit längerem sinkende Anteile ergeben. Eine hohe Quote ist aber erstrebenswert: Sie bestimmt nicht nur die Höhe der Kredite, die ein Land beim IWF ziehen kann; sie entscheidet auch über die Stimmrechtsanteile und damit den Einfluss auf die Fondspolitik.

Weber ist zuversichtlich, dass in Singapur die bereits bei der Frühjahrstagung angedachte Ad-hoc-Quotenerhöhung für die am stärksten unterrepräsentierten Länder, China, Mexiko, Südkorea und die Türkei, schnell über die Bühne gehen wird. Sie setzt eine Mehrheit von 85 Prozent der Stimmenanteile voraus. Allerdings sollte die derzeitige Unterrepräsentation dieser Länder aus deutscher Sicht höchstens bis zur Hälfte ausgeglichen werden. Denn die Ad-hoc-Anhebung ist als eine Art „Anzahlung“ auf die Quotenanpassung in einer späteren umfassenderen Reform gedacht, bei der auch die Schwellenländer zum Zug kommen sollen, die jetzt leer ausgehen, zum Beispiel Thailand und Malaysia.

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