Deutschland, Griechenland, Türkei
Die Flüchtlings-Troika

Die Flüchtlingskrise bringt Griechenland und die Türkei zusammen. Ministerpräsident Tsipras fordert Hotspots in der Türkei – Amtskollege Davutoglu hält sich bedeckt. Deutschland soll den Moderator mimen.

Istanbul, AthenNoch am Dienstagabend mussten sich die Ministerpräsidenten Alexis Tsipras aus Griechenland und Ahmet Davutoglu aus der Türkei ein torloses Spiel ihrer beiden Fußball-Nationalmannschaften in Istanbul ansehen. Beim Gespräch an diesem Mittwoch zwischen den beiden Regierungschefs reicht es offenbar wieder nur für ein Unentschieden. In der Flüchtlingskrise soll es demnächst ein gemeinsames Treffen zwischen Griechenland, der Türkei und Deutschland geben. Das sagte Davutoglu nach einem Treffen mit Tsipras in Ankara. Die beiden Mittelmeerländer wollen angesichts der steigenden Zahl Schutzsuchender künftig enger kooperieren. Deutschland soll nach Meinung türkischer Beobachter als Moderator dienen.

Davutoglus Äußerungen zufolge sollen außerdem Arbeitsgruppen gebildet werden. Die Bundesregierung äußerte sich bislang nicht zu dem Vorhaben. Einen Zeitpunkt für den Dreiergipfel nannte Davutoglu ebenfalls nicht. Der türkische Regierungschef kündige allerdings an, im Februar nach Athen zu reisen.

Griechenland ist in den vergangenen Jahren die wichtigste erste Anlaufstelle vor allem syrischer Flüchtlinge in der EU geworden. Alleine von Januar bis einschließlich Oktober kamen nach Angaben der Internationalen Flüchtlingsorganisation IMO 650.000 Menschen in Griechenland an. Die meisten der Schutzsuchenden wiederum kommen über die Türkei, wo sie nahezu ungehindert auf Schlauchbooten auf eine der zahlreichen griechischen Inseln in der Ägäis übersetzen.

Viele sterben bei der Überfahrt, weil die Schlauchboote zu klein, die See zu rau oder die Schlepper zu gierig sind und an der Sicherheit der Boote sparen. Oft kommt alles zusammen. Am Mittwoch meldete die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi, dass wieder ein Boot auf dem von der türkischen Küste auf die griechische Insel Kos gekentert sei. Nur fünf Menschen konnten gerettet werden, zehn werden noch vermisst. Die Chancen für sie sind gering, die Suche nach ihnen dauert nach Angaben der dpa noch an.

Die Türkei hat weltweit mit Abstand die meisten Flüchtlinge aufgenommen. 2,5 Millionen Menschen suchen derzeit Schutz in dem Land, das mit seinen 77 Millionen Einwohnern in fast so stark bevölkert ist wie Deutschland. Die Bedingungen für die Flüchtlinge sind aber denkbar schlecht. Sie dürfen zwar arbeiten, werden allerdings oft nur schwarz angestellt und für einfache Arbeiten in Restaurants oder auf Feldern. In Istanbul leben tausende Familien auf der Straße.

Davutoglu betonte, dass der Bürgerkrieg in Syrien die Hauptursache für die Flüchtlingskrise sei. Ohne eine Lösung in Syrien können man diese nicht bewältigen. „Bevor die Syrienkrise nicht gelöst ist, wird es der Welt nicht möglich sein, Probleme – allen voran die Flüchtlingskrise – zu lösen und sie zu bewältigen“, sagte Davutoglu.

Obwohl die Menschen meist nach wenigen Tagen über den Balkan weiterreisen, stellt der Andrang Griechenland vor gewaltige logistische Probleme. Für Alarm sorgt nun in Athen die Sorge, dass die Balkanstaaten ihre Grenzen dichtmachen könnten. Dann säßen die Flüchtlinge in Griechenland fest. Tsipras plädiert deshalb dafür, die Hotspots, an denen die Flüchtlinge registriert werden, in der Türkei einzurichten. So könnte man die Flüchtlingsströme schon dort kanalisieren und den Menschen die gefährliche Überquerung der Ägäis in den überladenen Booten der Schleuser ersparen.

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