Deutschland-Jahr: Fehlende Leidenschaft

Deutschland-Jahr
Fehlende Leidenschaft

Seit April 2005 läuft das „Deutschland-in-Japan“-Jahr. Das Projekt in Japan ist die umfassendste PR-Kampagne, die die Bundesrepublik im Ausland je initiiert hat – mit gemischtem Erfolg.

TOKIO. Imagewerbung kann mühsam sein und in die Beine gehen. Ein paar Studenten mit übergroßen Rucksäcken und zu langen Hosen schlendern an den Ständen von Degussa und BASF, Bayer und Lanxess in der Tokioter Universität vorbei. Einige nehmen Informationsmaterial mit. Im großen Saal lauschen ein paar Dutzend den Fachvorträgen der Forschungsexperten aus Deutschland. Ulrich Sieler, Japan-Chef von Degussa, ist an diesem Tag noch nicht ganz zufrieden mit dem Zulauf. Aber er hofft, durch den Auftritt das Image als Arbeitgeber in Japan zu stärken.

Es ist das erste Mal, dass sich die deutsche chemische Industrie gemeinsam in Japan präsentiert. Am Ende werden die Veranstaltungen an drei Universitäten im Schnitt 250 Teilnehmer anlocken. „Kein Massenevent“, meint Manfred Hoffmann, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan, im Nachhinein. „Aber wir haben unsere Zielgruppe bekommen.“

Das Chemieprojekt ist eine von rund 1 500 Veranstaltungen im Rahmen der bisher umfassendsten PR-Kampagne, die Deutschland im Ausland je initiiert hat. Seit April 2005 läuft das „Deutschland-in-Japan“-Jahr. Mit zehn bis zwölf Millionen Euro an öffentlichen Mitteln und einem Vielfachen an privaten Geldern will Deutschland bekannter und beliebter werden. Höchste Zeit, wie eine Studie der Werbeagentur Dentsu zeigt: „Deutschland steht, was die Attraktivität angeht, in zweiter Reihe, weit hinter Frankreich und Italien. Japaner verbinden mit Deutschland Fleiß, Exzellenz und Zuverlässigkeit. Als raffiniert und lustig wird es jedoch nicht gesehen“, lautete das Urteil zu Beginn der Werbekampagne. Jünger wollte man also werden, beliebter, das Verhältnis mit Japan intensivieren.

Viel Aktivität liegt zwischen damals und heute. Außenminister Frank-Walter Steinmeier konnte und sollte sich gleich nach seiner Ankunft zum ersten Besuch eines deutschen Außenministers seit fünf Jahren bei einer Art Werkschau der deutschen Botschaft davon überzeugen. Vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin über Popgruppen wie „Wir sind Helden“ bis zu Techno-DJs, von Biotech- und Umweltsymposien über Unternehmenspräsentationen bis zur Lifestyle-Messe – alles ist geboten worden. Und noch mehr: U-Bahnen und Busse sind seit Monaten mit Deutschlandflagge oder mit der WDR-Maus angestrichen – im südjapanischen Fukuoka ebenso wie im nordjapanischen Sapporo. Die „Sendung mit der Maus“ lief im japanischen Fernsehen, und ein Deutschkurs via Handy bereitet Fußballfans auf den WM-Besuch vor.

Was das Jahr wirklich gebracht hat, ist jedoch schwer zu sagen. „Bisher war Deutschland den meisten Japanern doch eher als Industriestaat bekannt“, meint Kazuya Fukushiro, Sprecher der auf deutsche Importautos spezialisierten Händlerkette Yanase. „Ich denke schon, dass das Bild Deutschlands jetzt etwas freundlicher ist.“

Auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach hält das Konzept eines umfassenden PR-Jahres für so gut, dass er es demnächst gerne in China sehen würde.

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