Deutschland stellt Ansprüche
Wettlauf um Top-Jobs in Europas Bankenaufsicht

Bundesregierung beansprucht einen Schlüsselposten in der europäischen Bankenaufsicht. Konkret will Deutschland einen der vier Generaldirektoren stellen. Das Finanzministerium sucht bereits einen Kandidaten.
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FrabkfurtIn die Führungsriege der künftigen europäischen Bankenaufsicht soll ein deutscher Vertreter einziehen. Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, beansprucht die Bundesregierung einen der vier Generaldirektorenposten in der Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB). „Ziel ist es, einen dieser Schlüsselpositionen mit einem deutschen Vertreter zu besetzen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter. Bereits seit einigen Wochen sucht das Bundesfinanzministerium in Absprache mit der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesbank nach geeigneten Kandidaten für diese Leitungsaufgabe.

Unterstützung bekommt die Bundesregierung dabei auch aus der EZB. Nach Informationen aus Notenbankkreisen wirbt auch EZB-Direktor Jörg Asmussen für das Ansinnen Berlins, einen Generaldirektor in der künftigen zentralen Bankenaufsicht zu stellen. Die Bewerbungsfrist für die wichtigen Positionen ist bereits abgelaufen. Erste Gespräche mit potenziellen Kandidaten habe es zwar mittlerweile gegeben, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, heißt es in den Kreisen weiter.

Die neue Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB ist das Herzstück der geplanten Bankenunion in Europa. In einem Jahr soll die Aufsicht, die dann die 128 wichtigsten Geldhäuser Europas überwacht, die Arbeit aufnehmen. Den Chefposten des neuen, mächtigen Instituts wird wahrscheinlich die Französin Danièle Nouy übernehmen. Wer von den sechs EZB-Direktoren zu ihrem Stellvertreter ernannt wird, ist weiter unklar. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten der Luxemburger Yves Mersch und der Portugiese Vitor Constancio, die derzeit im Direktorium für die Bankenaufsicht verantwortlich sind, sowie der Belgier Peter Praet, der Chefvolkswirt der Notenbank ist.

Nach Informationen aus Zentralbankkreisen haben diese drei EZB-Direktoren intern bereits Interesse an der Aufgabe in der neuen Bankenaufsicht erkennen lassen. „In der EZB hat ein Wettlauf um die Aufgabe des Vice-Chair in der künftigen Bankenaufsicht begonnen“, sagte ein Notenbanker. „Das Rennen ist offen.“

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Kommentare zu " Deutschland stellt Ansprüche: Wettlauf um Top-Jobs in Europas Bankenaufsicht"

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  • Was soll denn die europäische Bankenaufsicht unter der EZB sachlich bewerkstelligen?

    Geht man davon aus, dass die Zerschlagung der Universalbanken, die von EU-Ebene betrieben wird, nicht nur notwendig sondern auch erfolgreich wird, dann dezimiert sich die Zahl der systemrelevanten Banken enorm.

    Ist die Investmentbank einmal von der kommerziellen Bank getrennt und sind die Kundeneinlagen bei den kommerziellen Banken angekommen, was soll dann noch systemkritisch passieren?

    Weshalb sollten Investmentbanken dann mit ihrem eigenen Geld nicht zocken dürfen? Wichtig ist doch nur, dass sie sich nicht an den Steuerzahlern bereichern können. Weshlab sollten Sie nicht den Stadtkämmerern weiterhin Produkte andrehen dürfen, die diese nicht einmal vom Ansatz her verstehen? Irgendwo muss doch das Geld der Kommunen, der Steuerzahler verbrannt werden.

    Vielleicht sollte man nicht nur bei der Debeka sondern auch bei den Stadtkämmerern sensibel nachforschen.

    Nüchtern betrachtet, muss die europäische Bankenaufsicht einen anderen Zweck haben, als der, der uns als Propaganda ins Ohr posaunt wird.

  • Frist verpennt... vielleicht mit Absicht?? Welcher noemal denkende Mensch, der in einer beriflichen Verantwortung steht, vergisst SOLCHE Termine??
    Und ein Franzose m/w. an der Spitze??
    Wieder einer /eine aus dem Taugenixxzentrum??

  • Typisch Bundesregierung. Eiert hinterher. Die Franzosen haben wieder mal die Katze "so gut wie sicher" längst im Sack. Die Deutschen haben sogar die Frist verpennt! Wann lernt man in Berlin endlich die Bedeutung der Personalpolitik begreifen?

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